Presse 2014 - Transportpolizei

der Deutschen Demokratischen Republik
TRANSPORTPOLIZEI
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Presse 2014

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Nordkurier vom 16.06.2014
EIN FEST FÜR SCHAULUSTIGE
Berliner Nostalgie-Zug macht Dampf in Neustrelitz
   
Ungewohntes Bild auf dem Neustrelitzer Bahnhof; Eine 70 Jahre alte  Dampflok mit zehn Nostalgie-Waggons nebst alten Mitropa-Wagen legt hier  einen Zwischenstopp ein.

Neustrelitz.   
Zahlreiche Schaulustige kamen zum Fotografieren, wobei auch zwei Autos der Transportpolizei beliebte Fotomotive waren.
"Wir sichern die Übergänge unterwegs ab", erklärt Jens Schulz, seit  vier Jahren in der Interessengemeinschaft "Transportpolizei" aktiv. "Mit  unseren Funkwagen, original nachgebaute Lada, sperren wir die Straßen  ", beschreibt der Grünower die Aufgabe der uniformierten  Hobby-Transportpolizisten.
Organisiert werden die historischen Fahrten von den Dampflokfreunden  Berlin. "Die Züge ließ die Deutsche Reichsbahn in den 80er Jahren in  Potsdam für den Nostalgie-Verkehr herrichten", so das Berliner  Vereinsmitglied Denny Stemschke.
von Ute Köpke




Fotos: Ute Köpke

  
az-online.de / Altmark Zeitung / vom 21.07.2014
Gerüstet: Fans historischer Einsatztechnik starten zahlreich in Beusteraner Museumswoche
„Blaulicht“ kennt keine Grenzen



Beuster. „Dieser Kernstrahlungsmesser ließ sich für Aufklärungsfahrten auf so gut wie jedes Vehikel montieren, auch auf Panzer.
“ Hubert Pinick hebt das rohrähnliche Gerät für Militärfahrzeuge noch einige Zentimeter höher, damit es die Besucher des Blaulichtmuseums besser sehen können, und ergänzt: „Es hing mit einem Zusatz versehen aber auch in ganz bestimmten Objekten – in den SED-Kreisleitungen beispielsweise. “ Der Perleberger weiß, wovon er spricht. Er war ABC-Ausbilder bei den Grenztruppen der DDR. Im Ost-West-Konflikt sorgte er dafür, dass seine Seite für einen atomaren, biologischen oder chemischen Ernstfall gerüstet war. Bei der jährlichen „Großen Museumswoche“ in Beuster sind die Sammlerstücke des Prignitzers einer der größten Magneten für Gäste.
Noch vor dem ganz großen Besucheransturm am Sonnabend haben Vereinschef Ralf von Hagen und Mitstreiter allerletzte Handgriffe erledigt. Das eine oder andere historische Gefährt musste noch ins richtige Licht gesetzt werden. Ein Großteil der Aussteller von außen hatte seine Rolle bereits gefunden. Peter Engel aus der Nähe von Oranienburg hat sein KC-Aufklärungsfahrzeug sowjetischer Herkunft vorgefahren. Ingo und Christian Moschall aus Klink an der Müritz sind Hobby-Uniformierte der Interessengemeinschaft „VEB Schwellenschutz – Die Transportpolizei“. Und Matthias Hofmüller aus Badingen hat ganze Kleiderständer mit FDJ-Hemden und weiteren realsozialistischen Stoffutensilien gefüllt.
Für Robert Reck, den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Seehausen, ist das Blaulichtmuseum längst zu einem Aushängeschild der Region avanciert. Der gebürtige Beusteraner, Jahrgang 1983, hatte am Sonnabend einen Studienkollegen von früher mitgebracht. Gast Karsten Doherr aus Kassel ist von der Vielfalt der ausgestellten Rettungstechnik angetan. Mit einer Verherrlichung des Sozialismus habe das Ganze nichts zu tun, sind sich beide einig. Reck: „Es wird ein Stück DDR gezeigt, nicht mehr.“
Von Marco Hertzfeld
Märkische Allgemeine vom 01.09.2014
Ein Fest für die Fans alter Technik
Die 16. Auflage des Bahnhofsfestes lockte am Wochenende hunderte Besucher nach Rheinsberg

Rheinsberg. „Ohne die zahlreichen Helfer und Familienangehörigen ist so ein Fest nicht möglich", erklärt Udo Blankenburger. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft RheinsbergerBahnhof freute sich, das auch die 16. Auflage des Bahnhofsfestes in diesem Jahr erneut zahlreiche Fans alter Eisenbahntechnik auf das der Arbeitsgemeinschaft gehörende Gelände am Bahnhof von Rheinsberg gelockt hat. Sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag nutzten viele Besucher die Möglichkeit, sich die Sammlung der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof, sowie die Fahrzeuge und Exponate zur Geschichte der Eisenbahn anzuschauen. Ein Blick in den ehemaligen Lokschuppen, in dem der Verein seine besonderen Schätze aufbewahrt, war ein unbedingtes Muss für die Technikfans. Eröffnet wurde das Fest, das wieder von den rund 30 Vereinsmitgliedern und etlichen Helfernorganisiert wurde, mit Musik. Das „Göteborgspolisens Musikkar", ein Orchester aus Schweden, das am Wochenende auch beim Blasmusikfest in Wittstock zu Gast weilte, spielte zum Auftakt Märsche und andere Titel. Dabei erwies sich Stina Klintbom als stimmgewaltigeSängerin, die mit Songs der Gruppe Abba und anderen Hits dem Konzert eine besondere Notegab. Aber die Musiker waren nicht die einzigen ausländischen Gäste. Mit Norbert Gilles war auch ein Vereinsmitglied aus Belgien, wo es einst die Vennbahn gab, nach Rheinsberg gekommen.
Beliebt waren wieder die beliebten Sonderfahrten zum Bahnhof Stechlinsee mit einem dieselgetriebenen Triebwagen, einer Westvariante der Ferkeltaxe, die zu DDR-Zeiten auf der Strecke verkehrte. Das 60 Jahre alte Fahrzeug wurde von Ralf Ludwig von den Berliner Eisenbahnfreunden gefahren und fuhr an beiden Tagen mehrfach durch den Naturpark Stechlin zum stillgelegten Kernkraftwerk und wieder zurück.Wer keine Angst hatte, konnte sich mit einem Hubsteiger in die Höhe befördern lassen und das Bahnhofsgelände sowie die Stadt aus der Vogelperspektive betrachten. Beliebt waren auch die Fahrten mit der Draisine. Die jüngsten Festgäste freuten sich über eine Mini-Dampfeisenbahn, der siebenfachen Verkleinerung einer Feldbahnlok, die mit Anthrazit als Brennstoff funktioniert.
Außerdem gab es eine Bungee-Anlage und Aquasorbing, große begehbare Kugeln aus durchsichtigen Kunststoff, die in einem Wasserbecken schwammen. Wie immer hatten die Frauen aus dem Verein leckeren Kuchen gebacken, der reisend Absatz fand. Wer es deftiger wollte, konnte sich die Erbsensuppe aus der Gulaschkanone schmecken lassen oder sich eine Bratwurst oder Bulette vom Grill genehmigen. Es gab Stände mit Mitropa-Geschirr, Modellbahnbedarf und allerlei Trödel sowie Lektüre über die Eisenbahn.Besonders erfreut zeigte sich Udo Blankenburger über die neuesten Exponate seines Vereins, eine Stammaktie der Eisenbahn, eine aus Holzleisten geklebte Bahnschwelle, ein elektrisches Schienenbohrgerät und einen Notstromaggregat russischer Bauart, wie es bei der Bahn verwendet wurde.
Ein viel beachtetes Objekt des Vereins ist nach wie vor der U-Bahn-Wagen, der inzwischen ein Dach mit Bahnsteigstützen vom ehemaligen Berliner Ostbahnhof erhalten hat und jetzt auf einen neuen Anstrich wartet. Aber auch drei Polizisten in stillechter Uniform der einstigen Transportpolizei sowie die Gruppe „Country Büfett", das Rheinsberger Blasorchester und die Band „Qietschfidel" ließen auf dem Bahnhofsfest keine Langeweile aufkommen.

von Jürgen Rammelt

Volksstimme vom 17.09.2017
Verkehrskontrollen in der DDRTransit: Millionen D-Mark bleiben auf der Strecke
17.09.2014 07:05 Uhr
Über Bußgelder nahmen die DDR-Behörden bis zu sieben Millionen D-Mark jährlich an Devisen ein, die auch fest im Volkswirtschaftsplan verankert waren. Die Volkspolizei auf Autobahn und Schiene zeigte sich angesichts der Einnahmequelle besonders wachsam.
Von Matthias Fricke


In Marienborn wurden pro Stunde bis zu 120 Reisende abgefertigt. Zeitweise waren auf dem Areal bis zu 1000 Bedienstete in den Bereichen Passkontrolle, Zoll, Grenztruppen und Staatssicherheit tätig. | Foto: Museum
Magdeburg l Eckhard Müller ist Rentner. Der 71-Jährige führt inzwischen Reisegruppen durch das Grenzmuseum Marienborn. Ein Ort, den der Niedersachse zu DDR-Zeiten vor allem aus dem Auto heraus kannte - Grenzer, Diensthunde, Scheinwerfer. Nach den Kontrollen folgte die kürzeste Transit-Strecke über die Autobahn nach Westberlin.
Der damalige Grenzverkehr hinterließ auch bei ihm prägende Erinnerungen. Der Jurist fuhr so zum Beispiel Anfang der 70er Jahre mit seinem R4 nach Berlin. Es herrschte kaum Verkehr, die Beschilderung war sehr schlecht, so dass er die Abfahrt Berlin verpasste.
"Ich hatte meinen Fehler sofort bemerkt und bin dann rückwärts zur Ausfahrt gefahren. Im gleichen Augenblick tauchte der Lada der Volkspolizei auf. Die hatten offensichtlich nur darauf gewartet", erinnert sich Müller. Nach dem Zahlen von 20 D-Mark und einer eingehenden Belehrung durfte der Niedersachse seinen Weg fortsetzen.
Anfang der 80er Jahre stoppten ihn Polizisten gleich kurz nach dem Verlassen des Grenzübergangs Marienborn auf der heutigen A 2, weil seine Frau nicht angeschnallt war. Müller: "Damals gab es im Westen noch keine Anschnallpflicht. Als ich das sagte, wurde ich aufs Schärfste darauf hingewiesen, dass ich auf dem Territorium der DDR bin. Dort gibt es das." Wieder wurden 20 D-Mark fällig. Nach dem Zwangsumtausch wollte er die Strafe aber in Ost-Mark zahlen. Doch das lehnten die "Vopos" kategorisch ab. "Die haben uns richtig angeschnauzt", erinnert sich der Schöninger.


Foto: IG VEB Schwellenschutz - Die Transportpolizei

Zwei Mitglieder der Interessengemeinschaft "VEB-Schwellenschutz - Die Transportpolizei" stellen eine Kontrolle in einem Transitzug nach. Die Beamten in der blauen Uniform begleiteten die Züge von Marienborn bis Berlin. | Foto: IG VEB Schwellenschutz
So wie ihm ging es den meisten Transitreisenden. "Gezahlt wurde grundsätzlich nur in D-Mark. Wer kein oder nicht genug Westgeld dabei hatte, durfte später aber auch überweisen", erklärt Peter Joachim Lapp, Autor des Buches "Transit Westberlin. Erlebnisse im Zwischenraum". Der heute 72-Jährige war 1981 Redakteur beim Deutschlandfunk und wurde selbst auf der Autobahn gestoppt. "Ich fuhr damals einen Audi 80 und hatte den Eindruck, dass größere Autos besonders im Fokus standen", sagt Lapp.
Ganz so war es nicht, meint zumindest Klaus-Dieter Ziche, der seit 1978 bei der Autobahn als Polizist arbeitet und auch für Geschwindigkeitsmessungen verantwortlich ist. Die Transitreisenden hätten nach der Richtwerttabelle (heutiger Bußgeldkatalog) das Gleiche bezahlt, wie der DDR-Bürger. "Es wollten viele auch ihr Zwangsumtauschgeld nutzen. Das ging aber nicht", so der Beamte.



Ein Verkehrspolizist stoppt auf der Autobahn 2 ein Fahrzeug. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit betrug damals 100 km/h. | Foto: privat
Gemessen wurde in den letzten Jahren der DDR mit einem Messgerät, das wiederum über Devisen aus dem Westen angeschafft wurde. Anders als heute hielten die Beamten jedes Fahrzeug sofort nach der Messung mit ihrem schwarz-weißen Stab an.
Während die Verstöße bei DDR-Bürgern auch mit einem Stempel (heute Punkte in Flensburg) in einer Stempelkarte geahndet werden konnten, mussten Transitreisende "nur" zahlen. Bis zu sieben Millionen D-Mark wurden laut historischer Veröffentlichungen von der DDR-Polizei über Bußgelder eingenommen, die fest im Volkswirtschaftsplan verankert waren.


Mit einem solchen Transitvisum durfte die DDR passiert werden. | Foto: privat
Dabei ließen sich die Volkspolizisten auch einiges einfallen. Weil der Messwagen auf der Autobahn angesichts des fehlenden Standstreifens schnell auffiel, halfen Tarnnetze oder eine vorgetäuschte Panne weiter. "Einmal haben sogar die Puhdys mit ihrem Bus angehalten und wollten helfen, weil das Reserverad vor dem zivilen Lada stand", erinnert sich der damalige Messbeamte.
Die meisten Transitfahrer hielten sich an die vorgegebene Geschwindigkeit. Doch es gab auch Ausnahmen.
So wie der "fliegende Holländer". Er wollte morgens der Erste auf dem Blumenmarkt in Berlin sein. Die Volkspolizei kannte ihn bereits gut. "Er hat schon von seinem Chef Geld mit auf den Weg bekommen, um für seine Geschwindigkeitsübertretung zu zahlen", so Ziche. Nur Militärfahrzeuge der Besatzungsmächte durften die Volkspolizisten nicht stoppen. "Das galt für alle Besatzungsmächte und war ganz klar geregelt. Das Fahrzeug war ihr Hoheitsgebiet", erklärt er.
Die Verkehrsverhältnisse auf der Autobahn seien mit den heutigen gar nicht mehr vergleichbar. Es gab damals nur einen Mittelstreifen mit vereinzelten Bäumen und keine Leitplanke.
Ziche: "Wir haben bei Unfällen den Verkehr auch eben mal schnell über den Mittelstreifen auf die Überholspur der Gegenfahrbahn umleiten können. Der Verkehr war vor allem sonnabends so gering, da hätte man Fußball auf der Fahrbahn spielen können."
Sein Kollege Jeffrey Pape, der als 22-Jähriger kurz vor dem Mauerfall als Oberwachtmeister begonnen hat, meint: "Abends fuhren wir einmal aus Quatsch von einer Anschlussstelle zur anderen im ersten Gang, ohne dass uns einer überholt hat." Es sei eben eine ganz andere Welt gewesen. "Wenn ein Verkehrspolizist durch einen Windstoß seine Mütze verlor, hätte damals sich niemand getraut, darüber hinwegzufahren", sagt er.
Anders herum hatten auch die Volkspolizisten "Überwacher" im Nacken. Nicht unbedingt immer die Staatssicherheit, sondern auf der Autobahn, Bahnstrecke oder dem Wasserweg auch die Transitkommission. Jeder Verstoß gegen das Abkommen von 1971 wurde dort von den Vertretern, die sich aus den Regierungen beider Staaten zusammensetzte, erörtert. Pape: "Auch deshalb wurde alles immer sehr gründlich dokumentiert."
Die DDR hat vor allem dafür gesorgt, dass Durchreisende keine Republikflüchtigen aufnehmen konnten. Busse im durchgehenden Transitverkehr durften zum Beispiel nur auf den zulässigen Parkplätzen halten. DDR-Bürger hatten dort keinen Zutritt. Auf der A2 befand sich dieser in Höhe Thee-ßen im heutigen Jerichower Land bzw. Ziesar in der Gegenrichtung.
Ernstere Zwischenfälle gab es auch. So veröffentlichte die 90. Pressekonferenz der "Arbeitsgemeinschaft 13. August" folgende Zahlen: In den Jahren 1986 bis 1988 schwankten die Festnahmen zwischen 80 und 87 im Jahr. Etwa ein Viertel standen in Verbindung mit DDR-Vorwürfen gegen Fluchthelfer. Die überwiegende Zahl richtete sich aber gegen Personen, die Unfälle (zum Beispiel Verkehrsgefährdung wegen Trunkenheit) verursacht hatten. Auch auf der Schiene wurde entsprechend Westgeld eingenommen. Der heutige Sprecher der Autobahnpolizei Johannes Stoye hatte seit 1980 bei der Transportpolizei gearbeitet und begleitete seit 1982 die Transitzüge zwischen Marienborn und Berlin-Griebnitzsee.
Hauptaufgabe seiner Einheit war, dass niemand während der Passage durch die DDR ein- oder aussteigt. Verstöße wurden auch in den Zügen sofort geahndet.
Stoye: "Es durften zum Beispiel keine Gegenstände aus dem Fenster geworfen werden. Wen wir erwischt haben, der musste 20 bis 30 D-Mark Verwarngeld zahlen. Wer eine glimmende Zigarette wegwarf, wurde wegen Umweltgefährdung sogar 100 D-Mark los." Wenn der Zug verkehrsbedingt in Biederitz nordöstlich von Magdeburg halten musste, standen Transportpolizisten auch außen am Zug. Sie sollten ein Aufspringen von Republikflüchtigen verhindern.
Das Thema "Transit durch die DDR" ist wenig erforscht, erklärt Sascha Möbius, Leiter der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn. Bisher gebe es dazu nur wenige wissenschaftliche Arbeiten. Der Historiker: "Wir forschen aber weiter, um die Ergebnisse in unsere Ausstellung aufnehmen zu können."
Von Matthias Fricke

Stadtzeitung Pritzwalk vom 28.09.2014
Die Weichen richtig gestellt

By hwinkelmann on 28. September 2014
Modellbahn- und Polizeiausstellungen begrüßten viele Gäste
Es geht bergab, dort wo einst die Bierfässer in die Kühlräume der früheren Mitropa-Gaststätte im Bahnhof herunter gerollt wurden. Jetzt findet man dort, auf der Rückseite des Bahnhofsgebäudes, den Eingang zu einer wirklich sehenswerten Modellbahnausstellung und einem liebevoll eingerichteten Polizeimuseum. Und mit den beiden Einrichtungen geht es alles andere als bergab. Das zeigte auch der Tag der offenen Tür am 27.09.


Am Stand des Weißen Rings gab es Infos zur Gewaltprävention und Opferhilfe.


Im Dienstzimmer des ABV. In der Mitte die Initiatorin der Polizeiausstellung Melitta Ribbe.

Ein große Zahl Interessierter fand zu diesem Anlass den Weg dorthin. Schon in der Bahnhofshalle wurden die Gäste durch einen Tauschmarkt für Modellbahnfreunde, einen Leierkasten-Mann und die kulinarischen Angebote der Gaststätte „Bahnsteig 7“ begrüßt. Vor der heutigen Polizeiwache, die sich auch an dem rührig organisierten Fest beteiligte, stand eine original erhaltene „Grüne Minna“ aus DDR-Zeiten. Der Grün-weiße Lada der Volkspolizei war Anziehungspunkt für Alt und Jung. Sogar die Alarmsirene funktionierte noch, was eindrucksvoll bewiesen wurde. In Originaluniformen der damaligen Transportpolizei – sie war in der DDR für alle Sicherheitsaufgaben rund um den Schienenverkehr zuständig – erklärten Mitglieder der Initiative „VEB Schwellenschutz“ aus … jedem Interessierten wie zu jener Zeit alles funktionierte und organisiert war.
Im Eingangsbereich der aktuellen Polizeiwache hatte der Weiße Ring, die Opferschutz- und Betreuungsorganisation, seinen Stand aufgebaut. Zahlreiche Informationen zu Möglichkeiten der Verbrechens- und Gewaltprävention standen zur Verfügung. Ein Hauptthema des Weißen Ringes ist die Betreuung von Verbrechensopfern. Kompetente Gesprächspartner aus dem Verein waren dazu vor Ort.
Und dann folgte der Reporter dem früheren Weg der Bierfässer in den Keller. Es ist unglaublich, was ein dort unten alles an Interessantem erwartet. In den Gängen sind unzählige Modelle von Schienen- und Straßenfahrzeugen in Vitrinen und Schränken ausgestellt. Alte Schilder, Dokumente und sichtbar mit Herzblut zusammengefügte Details aus der Bahngeschichte ergänzen das Ausstellungsangebot. In den verschiedenen Räumen erblickt man die Modellbahnanlagen in voller Funktion. Eine stellt die Erzeugung von Stahl in all seinen industriellen Stufen dar, verbunden durch die Betriebsbahn. Begeisternd sind die vielen Kleinigkeiten. Da leuchten die Straßenlampen, in manch Lokführerkabine brennt Licht und man kann den Stahlkochern direkt bei der Arbeit zuschauen. Ein kleiner Spaß am Rande muss auch sein: Es ist ein komplettes Gefängnis zu sehen. Wer die bereit liegende Lupe benutzt, der kann sehen wer der gerade das Tor passierende Häftling ist: Erich Honecker.
In weiteren Räumen kann über großflächige H0-Bahnanlagen staunen. Sie sind durch Wanddurchbrüche mit den Nebenanlagen verbunden und so rollt mancher Zug auch einmal „nach nebenan“. Fünf Erwachsene und fünf „Nachwuchseisenbahner“ arbeiten zur Zeit mit an den Anlagen, wie Steffen Rösinger erklärt. Er ist so etwas wie der Hausherr in der rein privat und ohne öffentliche Gelder aufgebauten und betriebenen Einrichtung. Die Stadtverwaltung hat dankenswerter Weise dafür die Kellerräume zu sehr kulanten Bedingungen bereitgestellt.
„Ich bastele seit 1967, jeweils mit etwa fünfjährigen Pausen an meinen Modellbahnanlagen.“ sagt Uwe Greisert, einer der Aussteller. Ihm gehört eine besonders detailreiche H0-Bahn mit Lokschuppen, zahllosen Gleisen, Drehkreuzen, Bahnhöfen und vielem mehr. „Immer wieder hab ich Ideen für Neues gehabt. Je nachdem wie viel Geld und Zeit und Material ich zur Verfügung hatte, wurde Schritt für Schritt etwas Neues gestaltet. Grenzen hat immer der verfügbare Platz und die eigene Armreichweite gesetzt. Man muss ja schließlich rankommen, ans Ende.“
Uwe Greisert sieht man seine Begeisterung für dieses Hobby genauso an, wie den jungen Modellbahnfans. Sie wirbeln an diesem Tag wie die Profis um die Anlagen, dirigieren Züge, setzen Lokomotiven um und müssen zwischendurch auch noch für Pressefotos von Kollegen posieren. In so manchen erwachsenen Besucheraugen war ein sehnsüchtiges Funkeln erkennbar. Das hat man in Kinderzeiten in kleinem Rahmen auch mal gemacht. Oder zumindest immer davon geträumt. Hier wird der Mann wieder zum glücklichen Kind. Ein schönes Erlebnis, dem sich auch der Autor dieser Zeilen nicht verschließen konnte und wollte.
Teil Zwei der Ausstellungsräume nimmt das nicht minder interessant gestaltete Polizeimuseum ein, gemacht und koordiniert von Melitta Ribbe. Die ehemalige Musikerin im Polizeiorchester trug eine endlose Zahl von historischen Belegen der Polizeigeschichte zusammen. Hier findet der Gast Polizeidokumente aus den zwanziger Jahren neben Papieren der DDR-Volkspolizei. Zu diesem Tag der offenen Tür fand Frau Ribbe Unterstützung durch Vertreter des „Blaulichtmuseums“ in Beuster, kurz hinter Wittenberge auf sachsen-anhaltinischem Gebiet. In der schneidigen Uniform eines Schutzmanns der Kaiserzeit führte einer dieser Helfer die Besucher durch die Ausstellung. Ein entsprechender Kommandoton – natürlich nur spaßig gedacht – gehört dazu.
Zur Ausstellung gehört auch ein original nachgestelltes Dienstzimmer eines ABV`s. Abschnittsbevollmächtigter, so lautete der offizielle Titel eines lokalen Polizisten in der DDR. Und da sitzt der ABV auch tatsächlich an seinem Schreibtisch, in voller Uniform, mit kastenförmigem dazugehörigen Diensttelefon und passenden Papieren zur Bearbeitung auf dem Tisch. Ein realistisches Erlebnis. Äußerst anschaulich und mit absoluter Sachkenntnis gestaltet.
An diesem Tag fanden sehr viele Pritzwalker und Gäste von nah und fern den Weg zum Bahnhof. Die beiden Ausstellungen und das Rahmenprogramm waren großartig. Wenn jetzt Ihr Interesse geweckt wurde, die Ausstellungen können immer donnerstags besucht werden. Sie sollten sich das nicht entgehen lassen!
Hartmut Winkelmann


Steffen Rösinger erklärte den Besuchern unermüdlich die Exponate.


Hier fachsimpeln Modellbahner, echte ehemalige Eisenbahner und interessierte Gäste.


Eine der zentralen Anlagen, betreut und gesteuert von einem der jungen Mitstreiter.


Voll Spaß dabei – der Modellbahnnachwuchs.


Viele Jahre bastelt und tüftelt er schon an seinen Modellbahnen.


Hier am Lokschuppen und Drehkreuz funktioniert fast alles wie im echten Leben – damals.


Interessante Details aus der Polizeigeschichte.


Der “Schutzmann” aus der Kaiserzeit als Museumsführer. Mitstreiter aus dem Blaulichtmuseum in Beuster (Sachsen-Anhalt).


Jung und alt sind begeistert von den kleinen Zügen.


                       
Noch einmal: Steffen Rösinger im Reich der Modellbahnen.


Ein Modell der Stahlerzeugung, in allen Einzelschritten und natürlich verbunden durch die Bahngleise.

'
Auch der Leierkastenmann aus Sarnow trug zum Gelingen des Tages bei.


Tauschmarkt der Modellbahnfreunde in der Bahnhofshalle.


Die “Grüne Minna” war ein echter Hingucker.

Fotos: Harmut Winkelmann
HOMEPAGE
Interessengemeinschaft (IG)
 VEB Schwellenschutz – Die Transportpolizei
 ©Ingo Moschall
Foto: Heino Vogel, 22926 Ahrensburg
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