Die Transportpolizei der ehemaligen DDR.

Remo Kroll

Geschichte der Transportpolizei, Teil 16


Entsprechend des Beschlusses des Ministerrates der DDR vom 12.08.1961 erhielt der Transportpolizei-Abschnitt Berlin die Aufgabe, ab 13.08.1961, 01:00 Uhr, die Maßnahmen zur Einschränkung des Verkehrs von der DDR und ihrer Hauptstadt nach Westberlin auf dem Gebiet der Deutschen Reichsbahn im Fern- und S-Bahn-Verkehr sowie auf dem Gebiet der U-Bahn, Linie C und D, sicherzustellen. Damit hatte der Transportpolizei-Abschnitt Berlin unmittelbar Maßnahmen an der Grenze nach Westberlin auf dem Gebiet der Deutschen Reichsbahn durchzuführen.

In Ausführung des Befehls 3/61 des Ministers des Innern und Chefs der Deutschen Volkspolizei hatte die Transportpolizei zu gewährleisten, dass die auf Reichsbahngebiet verlaufende Grenze schlagartig abgesperrt und gesichert wurde. Das betraf insbesondere:

 

-          die Sicherung des grenznahen Hinterlandes und der Grenzübergänge;

 

-          die Gewährleistung von Ordnung und Sicherheit auf den Bahnhöfen des Reiseverkehrs u. a. wichtiger Objekte der Deutschen Reichsbahn;

 

-          die Unterbrechung des S-Bahn-Verkehrs zwischen Ost- und Westberlin sowie

 

-          die Neuorganisation des Berufsverkehrs für die Bewohner.

 

Die Transportpolizei erfüllte die an sie gestellten Aufgaben. Leiter und Stäbe führten die unterstellten Kräfte ununterbrochen.

Der Verantwortungsbereich der Abschnittsverwaltung Transportpolizei (AVT) Berlin umfasste 1961 alle Bahnhöfe und Anlagen der deutschen Reichsbahn innerhalb der Grenzen der Reichsbahndirektion Berlin. Der AVT nachgeordnet waren die Transportpolizei-Ämter Berlin, Frankfurt/Oder, Potsdam und Nordbahnhof, letzteres für den Bereich Westberlin, analog der Reichsbahnämter 1 bis 4.   

Die AVT Berlin hatte im Zusammenhang mit dem 13. August alle Maßnahmen, die auf Reichsbahngebiet zu realisieren waren, rund um Westberlin sicherzustellen. Die Kräfte des Transportpolizei-Amtes Nordbahnhof, die bisher zur Sicherung der Reichsbahnanlagen in Westberlin eingesetzt waren, wurden noch vor der Einschränkung des Verkehrs von und nach Westberlin in die DDR-Hauptstadt zurückgeführt. Sie wurden sofort zur Verstärkung auf dem Bahnhof Friedrichstraße, dem Nordbahnhof und entlang der Gartenstraße bis an die Luisenbrücke zu Grenzsicherungsmaßnahmen eingesetzt.

 

Ein weit verzweigtes Eisenbahnnetz, S- und U-Bahnlinien führten von und nach Westberlin. Auf über 20 Strecken überquerten Schienenwege die Grenze. Um mögliche gewaltsame Durchbrüche von und nach Westberlin mittels Schienenfahrzeugen zu verhindern, wurde das Befahren der vorgesehenen Strecken technisch unmöglich gemacht. Am 13.08.1061 begannen Bautrupps der Reichsbahn, gesichert von der Transportpolizei, an den vorgegebenen Streckenkilometern mit der Trennung der Gleise und dem Abtransport einzelner Gleisjoche in das Grenzhinterland.

Das Verkehrswesen, besonders die Mitarbeiter der RbD Berlin hatten im Zuge der Grenzmaßnahmen viel Arbeit, um nach den Einschränkungen des Personenverkehrs, besonders auf der S- und U-Bahn sowie dem Vorortverkehr, die Neuordnung der Verkehrsorganisation bis zum Beginn des Berufsverkehrs am Montag, dem 14.08.1961, sicherzustellen. Die Aufgabe der Transportpolizei bestand in diesem Zusammenhang darin, den Beginn des Berufsverkehrs auf allen S-Bahnhöfen und der U-Bahn durch eine hohe öffentliche Ordnung und Sicherheit zu garantieren.

Mit den Maßnahmen des 13.08.1961 erhielten die Streckenführung der U-Bahnlinien C und D sowie der Nord-Süd-Bahn eine ganz andere Bedeutung als zuvor. Entsprechend der gegebenen Befehle wurden die Bahnhöfe dieser Linien in Ostberlin für den öffentlichen Verkehr geschlossen und durch Kräfte der Transportpolizei durchgehend gesichert.    Diese Linien dienten ab diesem Zeitpunkt ausschließlich der Verbindung Westberlin - Westberlin im Berufs- und Reiseverkehr. Benutzer dieser Linien durchfuhren auf unterirdischen Strecken das Gebiet Ostberlins, ohne Kontrolle/Aufenthalt und hatten in Westberlin wieder ihren ersten planmäßigen Halt. Die zur Sicherung dieser Linien eingesetzten Transportpolizisten hatten die Aufgabe:

-          das Ein- und Ausschleusen von Personen und Sachen zu verhindern;

 

-           sicherzustellen, dass beim außerplanmäßigen halten der dort verkehrenden Züge auf den Bahnhöfen oder der freien Strecke keine Personen ein-             oder aussteigen bzw. unerlaubt das Territorium Ostberlins betreten;

 

-           bei Bränden und Havarien die erforderlichen Sofortmaßnahmen einzuleiten, die Strecken für den nachfolgenden und Gegenverkehr zu sichern, um             größere Schäden zu verhindern und entsprechende Evakuierungsmaßnahmen einzuleiten um dadurch Menschenleben zu retten.

 

Um diese Aufgabenrealisieren zu können, war eine entsprechende Kenntnis der gesamten Anlage des unterirdischen Betriebes der U-Bahn erforderlich, was bei den mehrstöckigen Bauwerken, Tunneln, Schleusen, Zisternen und Luftschächten kompliziert war, da sich die vorhandenen Unterlagen als unzureichend erwiesen.

Mit den Maßnahmen vom 13.08.1961 wurde der grenzüberschreitende Personen- und Güterverkehr auf der vorgesehenen Trasse unter den neuen Bedingungen aufgenommen. Jetzt wurden jeweils auf dem letzten Bahnhof vor der Grenzübergangsstelle Kontrollkommandos eingesetzt, mit der Aufgabe, die Züge gründlich zu kontrollieren, um zu verhindern, dass weder Menschen noch Material ein- bzw. ausgeschleust werden können. Für die in diesen Kommandos eingesetzten Transportpolizisten bedeutete das, alle Hohlräume und Behältnisse eines Waggons und des ganzen Zuges zu erfassen und zu überprüfen. Aufgrund internationaler Verträge setzten sich die Züge im grenzüberschreitenden Personenverkehr nicht nur aus Reisewagen der Deutschen Reichsbahn zusammen, sondern aus den unterschiedlichen Bauarten vieler Länder. Diese Aufgabenstellung war für die Transportpolizisten, die bis dahin Posten- und Streifendienst versehen hatten, völlig neu. Deshalb war eine gründliche theoretische und praktische Ausbildung notwendig.

Auch der grenzüberschreitende Güterverkehr wurde unter Kontrolle gebracht. In bestimmten Gebieten Ostberlins und besonders im Raum Potsdam entstanden neue Verkehrsverbindungen, so z. B. auf dem nördlichen Berliner Außenring, den Strecken Berlin-Blankenburg, Hohen Neuendorf, Oranienburg oder auch die Strecke Berlin-Potsdam-Werder-Berlin in dem so genannten Sputnik bzw. auf Kurzstrecken, die durch das grenznahe Hinterland führten.       

Um auf diesen Strecken eine hohe Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten, mussten in den Transportpolizei-Ämtern Berlin und Potsdam neue ZBK aufgestellt und ausgebildet werden.