Die Transportpolizei der ehemaligen DDR.

Remo Kroll

Geschichte der Transportpolizei, Teil 15

Obwohl in der Verbrechensbekämpfung nicht auf allen Gebieten ein sichtbarer Durchbruch erzielt wurde, gab es dennoch Erfolge und Fortschritte bei:

-          der Aufdeckung der latenten (bisher verborgen gebliebenen, unbekannten, unaufgedeckten) Kriminalität;

 

-          der Einleitung von Ermittlungsverfahren zur Untersuchung besonders gesellschaftsgefährlicher Delikte;

 

-          der Senkung von Unfällen;

 

-          der Bekämpfung von Beschädigungen an und in Reisezugwagen.  

 

So konnten 1959 alle eingeleiteten Ermittlungsverfahren zu großen Straftaten im Bauwesen der Deutschen Reichsbahn mit einer Gesamtschadenssumme von 1.040.000 DM aufgeklärt werden. Bei den Baustraftaten handelte es sich in der Mehrzahl um Betrugshandlungen von Bauunternehmen, welche Arbeiten in Rechnung stellten, die nicht durchgeführt worden sind oder um Verschiebungen von Baumaterialien der Reichsbahn zur privaten Verwendung. Beispielsweise stellte eine private Baufirma der RbD Berlin ca. 400.000 DM für nicht durchgeführte Oberbauarbeiten in Rechnung.

Im Jahre 1959 konnten gegenüber dem Vorjahr die Bahnbetriebsunfälle um insgesamt 750 gesenkt werden. Einen nicht geringen Anteil daran hatten die Angehörigen der Schutzpolizei (T). Hier zeigten sich bereits die ersten positiven Auswirkungen der Strukturveränderungen, indem günstigere Voraussetzungen für den Einsatz der Schutzpolizisten in der Bekämpfung von Bahnbetriebsunfällen und in der vorbeugenden Tätigkeit geschaffen wurden, weil durch eine konkrete, sachkundige und qualifizierte Leitung der operativen Kräfte sowie der lückenlosen Sicherung nicht nur der Anlagen, Objekte und Streckenführungen, sondern auch der Transportgüter ein stärkerer Einfluss auf eine höhere Ordnung und Sicherheit genommen werden konnte.

Seit Anfang 1959 traten in verstärktem Maße Beschädigungen und Diebstähle in den Reisezügen auf, die sich Ende des I. Halbjahres und im II. Halbjahr 1959 zu einem besonderen Brennpunkt herausbildeten. Beschädigt und zerstört wurden Sitzpolster, Gepäcknetze, Fenster- und Türrahmen, Fensterscheiben, Lampen usw. Gestohlen wurden überwiegend Aschenbecher, Schaumgummipolsterungen und Teile von Kunststoffbezügen. Im Jahre 1959 wurden ca. 12.000 derartige Zerstörungen registriert. Die Bearbeitung dieser Delikte erfolgte schwerpunktmäßig. In der Zeit bis Jahresende 1959 wurden 314 Täter, überwiegend Jugendliche, ermittelt. So wurden im Bereich des Transportpolizei-Abschnitts Magdeburg drei Gruppen mit 27 Tätern, im Raum Leipzig vier Gruppen mit 20 Tätern und in Dresden 16 Täter festgenommen. Den in Dresden festgenommenen Tätern wurden 176 Einzelhandlungen nachgewiesen. 

 

In der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zeichneten sich größere Erfolge durch eine veränderte Form des Einsatzes der Kräfte der Schutzpolizei (T) nach Einführung der "Magdeburger Methode" entsprechend der der spezifischen Bedingungen auf Reichsbahngebiet ab. Sie erforderte eine konkrete Auftragserteilung an die Streifenpolizisten entsprechend der konkreten Lage/Situation im Streifenbereich und den Besonderheiten des Dienstes auf Personen- und Güterbahnhöfen. Durch diese Methode war es möglich, in der vorbeugenden Tätigkeit auch auf die Eisenbahner und Reisenden Einfluss zu nehmen und sie für die Lösung polizeilicher Aufgaben zu gewinnen. Dabei war die stärkere Einbeziehung der freiwilligen Helfer der Transportpolizei in die zu lösenden Aufgaben wichtig. So wurden beispielsweise durch die Streckenbevollmächtigten und einem engen Zusammenwirken mit den freiwilligen Helfern der Transportpolizei in den Abschnitten Magdeburg und Dresden solche Beispiele geschaffen wie:

 

-          Strecke der vorbildlichen Be- und Entladung;

 

-          Strecke ohne Wagenfehlleitungen;

 

-          Strecke ohne Bahnbetriebsunfälle.

 

Durch den Einsatz von freiwilligen Helfern der Transportpolizei konnte im Bereich des Transportpolizei-Abschnitts Halle (Raum Leipzig) der Schwerpunkt der Reisezugbeschädigungen und im Bereich des Transportpolizei-Abschnitts Dresden Schwerpunkte bei Unfällen und Transportgutdiebstählen beseitigt werden. Ebenso gab es positive Ergebnisse durch den Einsatz freiwilliger Helfer der Transportpolizei bei Fahndungseinsätzen.   

Trotz der erreichten Erfolge gab es allerdings noch immer erhebliche Schäden, die durch Sabotage, Zerstörungswut, Leichtsinn, Fahrlässigkeit usw. verursacht wurden. Weit verbreitet waren weiterhin das Zerstören von Einrichtungen in Reisezügen und S-Bahn-Wagen. Diese oft mutwilligen Zerstörungen wirkten sich nachteilig auf die Erhöhung der Reisekultur aus.

 

Das Jahr 1961 war aufgrund der Grenzsicherungsmaßnahmen am 13. August auch für die Transportpolizei bedeutsam. Die Transportpolizei löste auf der Grundlage der Befehle und Weisungen die politischen und polizeilichen Aufgaben, die sich besonders aus der 13. Tagung des ZK der SED vom 03.-04.07.1961 ergaben. Entsprechend der Spezifik der Tätigkeit des Dienstzweiges Transportpolizei wurden die Aufgaben weiter präzisiert. Das betraf insbesondere die Verhinderung von Fluchten in die Bundesrepublik und nach Westberlin, die Tätigkeit zur Verhinderung von Störungen im Transportablauf sowie die Verbesserung der Führungstätigkeit der Leitungen und Stäbe.