Die Transportpolizei der ehemaligen DDR.

Remo Kroll

Geschichte der Transportpolizei, Teil 14


Im II. Halbjahr 1959 wurde der Transportpolizei die Aufgabe gestellt, alle Kräfte auf die Organisierung des Schutzes und der Förderung des Transportwesens sowie den Kampf gegen das Verbrechen auf Reichsbahngebiet zu konzentrieren. Dabei kam es darauf an, in Zusammenarbeit mit den Organen der Deutschen Reichsbahn und unter breiter Einbeziehung der Eisenbahner Maßnahmen zu treffen, damit die gestellten Transportaufgaben erfüllt werden.

Im Mittelpunkt der polizeilichen Tätigkeit zur Förderung der Erfüllung der Transportaufgaben standen die Senkung der Transportunregelmäßigkeiten, insbesondere der Transportgut- und Wagenbeschädigungen, der Transportgutdiebstähle und der Eisenbahnbetriebsunfälle sowie Maßnahmen gegen Straftaten im Bauwesen und im Handel (Mitropa).

Eine wichtige Voraussetzung zur wirksamen Durchsetzung dieser Aufgaben bestand darin, in der Transportpolizei einen Strukturwandel durchzuführen. Dieser wurde 1959 vollzogen.

Der Strukturwandel machte sich objektiv notwendig, um Maßnahmen zu treffen, die einen den Erfordernissen entsprechenden und wirkungsvollen Einsatz der Kräfte und Mittel sowie deren ununterbrochene Führung gewährleisteten.

Die bis dahin bestehende Struktur war zu einem Hemmnis bei der Gewährleistung einer hohen Ordnung und Sicherheit auf Reichsbahngebiet geworden. Die Transportpolizei konzentrierte die Hauptkräfte fast ausschließlich auf den unmittelbaren Schutz von Objekten, der freien Strecke, besonders Brücken, Viadukte, Tunnel, Kreuzungsbauwerke, die von ökonomischer und militärstrategischer Bedeutung waren. Konzentrierte und umfangreiche Maßnahmen, unter Einbeziehung der Eisenbahner, gegen Straftaten und Ordnungswidrigkeiten auf Reichsbahngebiet, waren mit der bisherigen Struktur nur ungenügend möglich. So betrug die Anzahl der in den Objektsicherungskompanien tätigen Kräfte allein 75,6 %, während die in den ZBK eingesetzten Kräfte lediglich 6,5% und in der Kriminalpolizei nur 5,3 % der Gesamtstärke der Transportpolizei ausmachten. 

Im Befehl 35/59 des Ministers des Innern und Chefs der Deutschen Volkspolizei über "Die Verbesserung der Führungstätigkeit in der Transportpolizei" wurde für den Dienstzweig eine grundlegende Veränderung der Struktur und Arbeitsweise festgelegt. Mit der Umsetzung dieses Befehls wurden im Dienstzweig Transportpolizei unter Beibehaltung der HA Transportpolizei und der acht Transportpolizei-Abschnitte, Transportpolizei-Ämter, Transportpolizei-Reviere und Gruppenposten-Transportpolizei gebildet.

Den Abschnittsverwaltungen nachgeordnet wurden folgende Dienststellen eingerichtet:

 

-            Transportpolizei-Ämter (TPÄ) für das Gebiet eines Reichsbahn-Amtes;

 

-            Transportpolizei-Reviere (TPR), Wachen und Posten innerhalb eines Transportpolizei-Amtes (TPA);

-             je Abschnitt eine bzw. zwei Einsatzkompanie/en;

 

-             je Abschnitt eine Ausbildungseinheit.

 

Die Kasernierung wurde aufgehoben und Streckenbevollmächtigte eingesetzt. In der Begründung der Beschlussvorlage über die Verbesserung der Arbeit der Transportpolizei wurde dargelegt, dass eine solche Veränderung:

 

-          dass Zusammenwirken der dienstlichen Leiter der Transportpolizei mit den Leitern der Reichsbahndienststellen erleichtert;

 

-          durch die einheitliche Leitung der Schutz- und Kriminalpolizei sowie der ZBK eine tiefergehende Kenntnis der polizeilichen Lage und einen            koordinierten Einsatz der Kräfte ermöglicht;

 

-          eine bessere Zusammenarbeit mit den Dienststellen der territorialen VP bei der Verbrechensbekämpfung gewährleistet. 

 

Mit Errichtung der Transportpolizei-Ämter sowie der Transportpolizei-Reviere, entstanden in allen Bezirksstädten (Ausnahme Gera) und in vielen Kreisstädten der DDR, Dienststellen der Transportpolizei. Die neu eingeführte Struktur erwies sich in der Folgezeit als richtig und zweckmäßig.

Vom Zeitpunkt des Strukturwandels an veränderte sich die Tätigkeit der Transportpolizei von der vorwiegend militärischen Sicherung der Objekte und Anlagen der Deutschen Reichsbahn und nahm im Rahmen der gesamtpolizeilichen Aufgaben, durch konzentrierten Einsatz von Streifen auf Güter- und Personenbahnhöfen sowie auf freier Strecke, mehr polizeilichen Charakter an.

Zur Gewährleistung einer hohen öffentlichen Ordnung und Sicherheit auf dem weiträumigen Streckennetz der deutschen Reichsbahn wurde das System der Streckenbevollmächtigten der Transportpolizei eingeführt und wirksam. Den Streckenbevollmächtigten wurden Streckenabschnitte entsprechend der Notwendigkeit der im Dienstbereich zu lösenden Aufgaben unter besonderer Beachtung der Hauptstrecken zugeteilt.

Bei der Einführung der Streckenbevollmächtigten in der Transportpolizei konnte man sich auf die bisherigen guten Erfahrungen der örtlichen Abschnittsbevollmächtigten der VP stützen. Schon nach kurzer Zeit konnte durch das Wirken der Streckenbevollmächtigten eine engere Zusammenarbeit mit den freiwilligen Helfern der Transportpolizei u. a. Kräften zur Erhöhung von Ordnung und Sicherheit erreicht werden. Die Streckenbevollmächtigten waren die Vorläufer der Abschnittsbevollmächtigten der Transportpolizei und hatten wesentlichen Anteil an der Aufgabenerfüllung der Transportpolizei.