Die Transportpolizei der ehemaligen DDR.

Remo Kroll

Geschichte der Transportpolizei, Teil 13


Die Verkehrssicherheitsaktive konzentrierten sich in ihrer Tätigkeit auf folgende Schwerpunkte:

 

-            Erziehung der Eisenbahner zu einer vorschriftsmäßigen und disziplinierten Arbeit, insbesondere der Fahrwegprüfung, Auflösung der Fahrstraßen,              Durchführung der Bremsproben, Rangierwegprüfung, Verständigung im Rangierdienst, Zustand und Verwendung der Hemmschuhe;

 

-            Pflege und Wartung der Arbeitsgeräte sowie Einhaltung der Zugbildungsvorschriften und Arbeitsschutzbestimmungen;

 

-            Maßnahmen zur Verbesserung des Oberbauzustandes;

 

-            Ordnung und Sauberkeit am Arbeitsplatz.      

 

Die Aufgabenstellung entsprach der konkreten Lage auf Reichsbahngebiet, da gerade zu dieser Zeit auf den Zugbildungsbahnhöfen erhebliche Störungen durch Bahnbetriebsunfälle zu verzeichnen waren, die sich negativ auf den Betriebsablauf und die Planerfüllung der Deutschen Reichsbahn und damit auf die Wirtschaft sowie die Versorgung der Bevölkerung aber auch hinsichtlich der internationalen Verpflichtungen durch Nichteinhaltung der Lieferfristen auswirkten. 

Die aktive Mitarbeit der Transportpolizei in den Verkehrssicherheitsaktiven kam u. a. in der Auswertung der Ursachen und begünstigenden Bedingungen für Bahnbetriebsunfälle, Wagenfehlleitungen und Ladegutbeschädigungen sowie in der ständigen Einflussnahme auf die Erziehungsarbeit zum Ausdruck. Als eine wirksame Maßnahme erwies sich die Teilnahme von Angehörigen der Transportpolizei an Produktionsberatungen und Brigadeversammlungen, um die initiative der Eisenbahner für Ordnung und Sicherheit im Transportablauf zu erhöhen.

Besondere Anstrengungen machten sich auf solchen Bahnhöfen erforderlich, auf denen noch eine hohe Anzahl von Bahnbetriebsunfällen zu verzeichnen war. Hier wurden unter aktiver Mitarbeit von Unfallsachbearbeitern der Kriminalpolizei (T) Bahnhofsanalysen erarbeitet, um durch vorbeugende Maßnahmen die Faktoren aufzudecken und zu beseitigen, welche die Sicherheit im Betrieb und im Bahnverkehr beeinträchtigten.

 

Natürlich spielten auch ideologische Fragen im Dienst der Transportpolizei eine bedeutende Rolle. Die Transportpolizisten waren angehalten, vor allem die Bedeutung der Erfüllung der ökonomischen Hauptaufgaben und das Verhältnis von Ökonomie, Politik und Sicherheit als dialektische Einheit zu erkennen.   

Von der HA Transportpolizei wurden dazu, entsprechend der spezifischen Aufgaben des Schutzes und der Sicherheit des wichtigsten Verkehrsträgers, konkrete Vorschläge erarbeitet. Diese Vorschläge standen in voller Übereinstimmung mit der auf der Tagung der Politischen Verwaltung des MdI vom 27.08. bis 01.09.1958 in Kuhlmühle getroffenen Feststellung, dass die Generallinie der SED Gesetz des Handelns für alle VP-Angehörigen werden muss.

Daraus ergaben sich für die Transportpolizei nachfolgend aufgeführte Hauptaufgaben:

-            Verstärkung der politisch-ideologischen Erziehungsarbeit;

 

-             In der Ausbildung und Schulung größere Einflussnahme auf die Erziehung des gesamten Personalbestandes, um die Lösung der operativ-               fachlichen Aufgaben und die Erhöhung der Einsatz- und Verteidigungsbereitschaft zu fördern;

 

-            Verstärkte Zusammenarbeit mit den Eisenbahnern, bei der Lösung der transportpolizeilichen Aufgaben;

 

-            Orientierung der Kräfte der Transportpolizei auf bestehende und entstehende Schwerpunkte, besonders eisenbahntypischer Delikte;

 

-            Verhinderung von Republikfluchten und Abwerbungen;

 

-            Verstärkte Überwachung und Kontrolle des Güter- sowie des Ex- und Importverkehrs mit der Konzentrierung auf die Verhinderung von              Wagenfehlleitungen, Wagenbeschädigungen und Unfällen;

 

-            Erhöhung der Sicherheit in Grenzgebieten.

 

Diese Hauptaufgaben erforderten, die gesamte Tätigkeit der Transportpolizei neu zu durchdenken, um in der operativ-fachlichen Tätigkeit und der politischen Arbeit effektiver wirksam zu werden.

Die im Siebenjahrplan der Deutschen Reichsbahn gestellten Hauptaufgaben bestimmten maßgeblich auch die Tätigkeit der Transportpolizei. So war u. a. vorgesehen:

 

-          die Gütertransportleistungen bis 1965 gegenüber 1958 auf 128 % zu steigern;

 

-          die Umlaufzeiten der Güterwagen um 7,5 % zu senken;

 

-          die Auslastung der Wagen um 7 % zu erhöhen;

 

-          den Berufsverkehr durch Verringerung der Fahrzeiten und Erweiterung des Fahrzeugparks zu verbessern und

 

-          die Reisekultur im Reise- und Urlauberverkehr zu erhöhen.

 

Entscheidende Voraussetzung und Bestandteil der Erfüllung dieser Aufgaben war die weitere Festigung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit auf dem Gebiet der Deutschen Reichsbahn. Außerdem kam der Eisenbahn mit ihrer ökonomischen und militärischen Bedeutung im System der Landesverteidigung eine Schlüsselrolle zu. 

In der Direktive 1/60 des Leiters der HA Transportpolizei heißt es deshalb:

"Aus der politischen, ökonomischen und militärischen Bedeutung des Transportwesens, insbesondere der Eisenbahn, ergibt sich die Notwendigkeit (…) die Sicherheit auf Eisenbahngebiet in jeder Situation zu gewährleisten."