Die Transportpolizei der ehemaligen DDR.

Remo Kroll

Geschichte der Transportpolizei, Teil 12



In den folgenden Jahren ergaben sich für die Angehörigen der Transportpolizei neue und höhere Maßstäbe für die Realisierung von Sicherungsaufgaben auf Reichsbahngebiet.

Es kam stärker als zuvor darauf an:

-          alle Vorkommnisse auf Reichsbahngebiet richtig einzuschätzen und darauf aufbauend die erforderlichen Maßnahmen einzuleiten;

 

-          die Sicherung im Reiseverkehr, besonders zwischen den beiden deutschen Staaten sowie von und nach Westberlin, zu verstärken;

 

-          die Erfüllung der Transportpläne der Deutschen Reichsbahn durch entsprechende Sicherungsmaßnahmen zu gewährleisten und durch eine hohe            öffentliche Ordnung und Sicherheit auf Eisenbahngebiet den störungsfreien Transportablauf wichtiger Industrie- und Versorgungsgüter zu            sichern;

 

-          die Zusammenarbeit mit Dienststellen der Deutschen Reichsbahn sowie mit den Eisenbahnern weiter zu entwickeln um gemeinsam anstehende            Aufgaben zu bewältigen.

 

In dieser Phase trug die Transportpolizei wesentlich dazu bei, die öffentliche Ordnung und Sicherheit auf Reichsbahngebiet zu erhöhen und durch eine Verstärkung der vorbeugenden Tätigkeit die Kriminalität im Zuständigkeitsbereich erfolgreich zu bekämpfen. Das zeigte sich u. a. in der Fahndungsarbeit. Gegenüber 168 Fahndungserfolgen im Jahre 1956 stieg die Zahl 1957 auf 327 an.

Die Kräfte der Schutz- und Kriminalpolizei (T) wirkten auf die Senkung der Unfälle, auf die Verhütung von Transportgutdiebstählen und Bauverbrechen sowie auf die Verhinderung von Wagenfehlleitungen und Wagenbeschädigungen ein. Die in dieser Beziehung anfallenden Delikte wurden gründlich untersucht und in Verbindung mit Dienststellen der Deutschen Reichsbahn Maßnahmen zur Aufdeckung und Beseitigung begünstigender Umstände und Ursachen eingeleitet.

Die kommenden Anforderungen verlangten von den Angehörigen der Transportpolizei ein besseres Zusammenwirken der operativen Kräfte untereinander sowie mit anderen Dienstzweigen der VP und Sicherheitsorganen. Andererseits machte sich eine engere Zusammenarbeit mit staatlichen Leitern und Eisenbahnern notwendig. Von großer Bedeutung für die Verbreiterung der Mitarbeit der Eisenbahner bei der Erhöhung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit auf Reichsbahngebiet war der weitere Ausbau des Systems der freiwilligen Helfer (FH) der VP zur Unterstützung der Transportpolizei durch Aufstellung von Helfergruppen, der bereits 1955 begonnen hatte. Mit der Richtlinie des Chefs der Transportpolizei vom 13.04.1955 für die Schaffung und Ausbildung freiwilliger Helfer der Transportpolizei auf der Grundlage der Verordnung der Regierung der DDR vom 25.09.1952 wurde der entscheidende Schritt auf diesem Gebiet getan. Dieser späte Zeitpunkt für die Verpflichtung von freiwilligen Helfern der Transportpolizei ergab sich aus den Veränderungen in der Sicherung der stationären Betriebe der Deutschen Reichsbahn.

Die Verwirklichung der Richtlinie des Chefs der Transportpolizei brachte gute Ergebnisse. Viele Eisenbahner stellten sich der Transportpolizei als freiwillige Helfer zur Verfügung.

In der Richtlinie vom 13.04.1955 des Chefs der Transportpolizei wurde als Aufgabenstellung festgelegt, dass die freiwilligen Helfer bei besonderen Anlässen zur Aufrechterhaltung des Betriebes und des Verkehrs der Deutschen Reichsbahn einzusetzen sind. Der Einsatz sollte entsprechend der Fachrichtung an entscheidenden Punkten des Betriebes und des Verkehrs erfolgen. Die Hauptaufgabe der freiwilligen Helfer bestand darin, dafür zu sorgen, dass an den Arbeitsplätzen sowie in den Brigaden die Ordnung und Sicherheit gewährleistet ist und strikt nach den Dienstvorschriften der Deutschen Reichsbahn gehandelt wird.

Entsprechende Bedeutung hatte auch die Ausbildung der FH. Die Ausbildung umfasste polizeifachliche Themen sowie die Aneignung gesetzlicher Grundlagen. Weiterhin wurden Grund- und gefechtsmäßige Ausbildung sowie Waffen- und Schießausbildung durchgeführt. Des Weiteren wurde die Ausbildung spezialisiert nach den vorhandenen Fachrichtungen, so für das Lok- und Zugpersonal, für das Signal- und Fernmeldemeisterpersonal sowie für das Stellwerks- und Aufsichtspersonal durchgeführt.

Verantwortlich für die Ausbildung war anfänglich der jeweilige Kompanieführer der Objektkompanie, in dessen Bereich die freiwilligen Helfergruppen gebildet worden waren. Aber auch von anderen Fachrichtungen wie der Kriminalpolizei wurden konkrete Unterrichtsthemen gestaltet und durchgeführt.   

Entsprechend der Richtlinie vom 13.04.1955 wurde zur Sicherstellung und Durchführung der für die FH festgelegten Aufgaben in den VP-Abschnitten (T) ein verantwortlicher Offizier eingesetzt, der mit dem Offizier für Kampfgruppen das Arbeitsgebiet "Kampfgruppen und freiwillige Helfer" bildete.

In kurzer zeit wurden die FH zu einem festen Bestandteil in der Tätigkeit der Transportpolizei. Durch ihre aktive Hilfe konnte die Ordnung und Sicherheit auf dem Gebiet der Deutschen Reichsbahn weiter erhöht werden.

 

In Auswertung der Ergebnisse der Babelsberger Konferenz, die vom 02. bis zum 03.04.1958 stattfand und auf der wesentliche Grundlagen für die Rechtstheorie und die Rechtspraxis in der DDR gelegt wurden, sind auch in den Dienststellen der Deutschen Reichsbahn zur weiteren Erhöhung von Ordnung und Sicherheit Verkehrssicherheitsaktive gebildet worden.

Die Verkehrssicherheitsaktive der Deutschen Reichsbahn bauten sich auf dem Prinzip der Herstellung einer engen Verbindung zwischen der Arbeit staatlicher Leiter sowie gesellschaftlicher Organisationen und Kräfte auf. Neben den Leitern der einzelnen Reichsbahndienststellen waren Vertreter der SED (Betriebsparteiorganisationen), der Betriebsgewerkschaftsleitungen sowie der Bahnhofsbrigaden in den Verkehrssicherheitsaktiven tätig. Einbezogen wurden ferner auch Vertreter der Mitropa, der Bahnpost und des bahnärztlichen Dienstes.