Die Transportpolizei der ehemaligen DDR.

Remo Kroll

Geschichte der Transportpolizei, Teil 11



In Durchsetzung der sich mit der Wiedereingliederung der Transportpolizei in das MdI ergebenden Aufgaben wurden in der Folge die Probleme der polizeifachlichen Qualifizierung stärker in den Mittelpunkt gerückt bei gleichzeitiger Weiterführung der militärischen Ausbildung. Es kam jetzt darauf an, diese beiden Ausbildungszweige in ein richtiges Verhältnis miteinander zu bringen.

Zur Verbesserung der gesamten Tätigkeit der Transportpolizei wurden umfassende Maßnahmen festgelegt. Dies waren u. a.:

 

1. Die Verbesserung der operativen Tätigkeit: Unter Verantwortung, besonders der Stäbe und der Politabteilungen, war die unmittelbare operative Anleitung und Hilfe gegenüber den nachgeordneten Einheiten zu verstärken. Dabei galt es in den Stäben selbst die Arbeitsorganisation zu überprüfen, um bürokratische Arbeitsweisen zu überwinden und durch ihre operative Wirksamkeit in den Einheiten das Prinzip der Einzelleitung zu stärken. Zur Verbesserung der gesamten Tätigkeit der Kriminalpolizei einschließlich der ZBK musste die Erziehungsarbeit verstärkt werden. Dazu musste nach genauer Festlegung der Aufgaben und Verantwortung auf die kriminalpolizeilichen Schwerpunkte orientiert werden und bei den Angehörigen die persönliche Verantwortung für eine initiativreiche Lösung der spezifischen Aufgaben erreicht werden. Die personalpolitische Zusammensetzung der Transportpolizei-Kriminalpolizei und der ZBK galt es durch qualifizierte Kader zu verbessern und die Fluktuationen besonders in diesen Fachrichtungen einzuschränken.

 

2. Die Verbesserung der Schulung und Ausbildung: Um eine planmäßige und durchdachte Arbeit in der Schulung und Ausbildung zu erreichen, war es vorrangig notwendig, dass sich alle Offiziere und Unterführer die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten aneigneten, um den ihnen unterstellten Transportpolizisten in allen Fragen des Dienstes, der Ausbildung, des Allgemeinwissens und der Erziehung Vorbild zu sein. Dem Chef der Transportpolizei wurde empfohlen, dass es bis 1958 keine Offiziere und Offiziersplanstelleninhaber mehr geben darf, die nicht einen mehrmonatigen Schulbesuch nachweisen konnte.

 

3. Die Verbesserung der Arbeit der Wirtschaftsorgane: Durch Verbesserung der Arbeitsorganisation und des Arbeitsstils musste eine schnelle und unbürokratische materiell-technische und medizinische Versorgung aller Transportpolizisten erreicht werden. Zur Durchsetzung des Prinzips der Sparsamkeit musste dem fahrlässigen und verantwortungslosen Umgang mit Volkseigentum Einhalt geboten werden.

 

4. Die verstärkte allseitige Qualifizierung der Transportpolizisten: Zur Aneignung der erforderlichen politischen, polizeifachlichen und militärischen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten wurden Ende 1955 und Anfang 1956 insgesamt 100 Offiziere aus Stäben und Kompanien an die zentrale Lehranstalt der Transportpolizei in Nordhausen und 100 Zug- bzw. Gruppenführer auf die Schule der Grenzpolizei Sondershausen delegiert. Besseres Wissen und Können wurde auch für die Angehörigen der Kriminalpolizei erforderlich. Nur auf diesem Weg konnte die Qualität der Arbeit verbessert werden. An 19 Lehrgängen nahmen 1956 insgesamt 457 Angehörige der Kriminalpolizei der Transportpolizei teil, so u. a.:

 

-           an Lehrgängen, organisiert und durchgeführt von der HA Transportpolizei bzw. den Untersuchungsorganen der VP;

 

-           an Praktika innerhalb des Kriminaltechnischen Instituts der Hautverwaltung Deutsche Volkspolizei;

 

-           an Speziallehrgängen von Schulen der Deutschen Reichsbahn.

 

An der Lehranstalt für Kriminalistik der Transportpolizei in Leipzig-Altnauendorf, welche am 15.04.1956 eröffnet worden ist, wurden für die Angehörigen der Kriminalpolizei achtwöchige Elementarlehrgänge durchgeführt. 

 

Auch an der Umtauschaktion der Banknoten der Deutschen Notenbank am 13.10.1957 in der DDR war die Transportpolizei beteiligt. Ihre Hauptaufgabe war, zu verhindern, dass Geld der Deutschen Notenbank aus Westberlin in die DDR eingeschleust wird und Geld der neuen Währung illegal aus der DDR ausgeführt wird. Dazu waren verstärkte Kontrollen auf den Bahnhöfen und in den Reisezügen durchgeführt, um Währungsschiebern, Spekulanten u. a. Kriminellen das Handwerk zu legen. Auf den größten Bahnhöfen der DDR wurden Umtauschstellen eingerichtet. Auf einer solchen Umtauschstelle wurde beispielsweise ein Eisenbahner gestellt, der 15. 000 DM zum Umtausch brachte, die er am 13.10.1957 von einem Fleischermeister erhalten hatte.

 

Sichtbare Erfolge wurden in dieser Zeit auch in der Fahndungsarbeit erzielt. Durch die Mithilfe der Bevölkerung zeichnete sich bei den Fahndungserfolgen eine steigende Tendenz ab. An den Fahndungserfolgen hatten die Angehörigen der Schutzpolizei (T) den größten Anteil, weil sich das Zusammenwirken mit der K der Transportpolizei wirksamer gestaltete. Waren es im Jahre 1956 insgesamt 707 Fahndungserfolge, so stieg die Anzahl der Fahndungserfolge im Jahre 1957 auf insgesamt 2.049 an. Auch die Aufklärungserfolge der K der Transportpolizei stiegen an.

 

Im Jahre 1956 musste die Transportpolizei zur Erhöhung der inneren Sicherheit und der Verteidigungsbereitschaft Kräfte in nicht unerheblicher Anzahl an die Bereitschaftspolizei angeben. Die dadurch entstandenen Fehlstellen mussten unverzüglich aufgefüllt werden und besonders junge Eisenbahner erklärten sich bereit, Dienst bei der Transportpolizei zu versehen. 1956 wurden zur Auffüllung der Fehlstellen 2.700 junge Bürger für den Dienst in der Transportpolizei geworben und eingestellt.  

Den neu eingestellten Transportpolizisten mussten polizeifachliche, militärische und politische Fähigkeiten/Kenntnisse vermittelt werden, damit sie die ihnen übertragenen Aufgaben erfüllen konnten. Zur Lösung dieser Aufgabe wurden auf Befehl des Chefs der Transportpolizei Anfang 1956 in den Transportpolizei-Abschnitten Ausbildungseinheiten (A-Kompanien gebildet). Die A-Kompanien waren allerdings nicht lange Bestandteil der Transportpolizei, da sie Ende 1959 wieder aufgelöst wurden. Um den höheren Anforderungen in der Erfüllung der Aufgaben der Transportpolizei besser gerecht zu werden, mussten sich die Angehörigen ein umfassendes Wissen aneignen. Die A-Kompanien konnten diese Aufgabe nicht erfüllen.

Um eine neue Qualität in der Wissensvermittlung- und Aneignung zu erreichen, wurde auf Basis des Befehls 15/59 des Ministers des Innern mit Wirkung vom 01.10.1959 Abschnittsschulen gebildet. In mehrmonatigen Lehrgängen wurden Dienstanfänger geschult, aber auch Weiterbildungslehrgänge in einzelnen Fachrichtungen durchgeführt. Erfahrene und qualifizierte Offiziere und Unterführer wirkten in den Abschnittsschulen als Lehrer und Erzieher und leisteten ihren Beitrag zur Qualifizierung des Personalbestandes der Transportpolizei.