Die Transportpolizei der ehemaligen DDR.

Remo Kroll

Geschichte der Transportpolizei, Teil 8



Vom 01.02. bis 30.06.1953 wurden in der Transportpolizei Prüfungen der Gruppenführer und der Angehörigen der Kriminalpolizei durchgeführt. Die Gruppenführer und Kriminalisten hatten nachzuweisen, dass sie sich das Grundwissen des Gruppenführers bzw. Kriminalisten angeeignet hatten. Der Gruppenführer hatte grundlegende Kenntnisse auf den Gebieten Marxismus-Leninismus, Dienstkunde, Grundausbildung, Waffen- und Schießausbildung, Dienstsport, Karten- und Geländekunde sowie der Wach- und Dienstvorschriften nachzuweisen. In der kriminalpolizeilichen Arbeit erhöhte sich infolge der besseren Qualifikation die Qualität. Nach bestandener Prüfung wurden die Kriminalisten, bis einschließlich Meister, entsprechend ihrer Planstelle befördert.

Diese Maßnahme trug dazu bei, eine einheitliche Ausbildung zu gewährleisten und diese auf ein höheres Niveau zu heben. Außer diesen spezifischen Maßnahmen der Bildung wurden auch wöchentliche Schulungen nach festgelegten Richtlinien der HA Transportpolizei durchgeführt. Darüber hinaus wurden Weiterbildungslehrgänge an der Zentralschule der Transportpolizei in Nordhausen organisiert, neu eingestellte Transportpolizisten wurden in vierwöchigen Lehrgängen  an der Transportpolizeischule Grünau geschult und ausgebildet. Unter den gegebenen Bedingungen und Erfordernissen des Dienstes nahm die Ausbildung und Schulung rund die Hälfte der zur Verfügung stehenden Zeit ein.

 

In den ersten Monaten des Jahres 1953 nahm die Kriminalpolizei der Transportpolizei eine Aktion im Republikmaßstab zur Auffindung und Erfassung von überplanmäßigen Materialbeständen der Deutschen Reichsbahn im Republikmaßstab vor. Große Mengen von Halb- und Fertigwaren, in Millionenwerten, wurden festgestellt und konnten der weiteren Verwendung im Rahmen der Materialversorgung gemeldet werden.

Zur weiteren Verbesserung der Zusammenarbeit mit den Eisenbahnern hinsichtlich der Aufdeckung, Untersuchung und Aufklärung von Straftaten wurden 1953 Bereichsgruppen der Kriminalpolizei gebildet. Entsprechend des Territorialprinzips waren jetzt Kriminalisten in Bereichen eingesetzt, die vorbeugend und untersuchend tätig zu sein hatten. Ihre Aufgabe bestand u. a. darin, dafür zu sorgen, dass eine strenge Überwachung des Laufweges wichtiger Güter organisiert wurde, um alle die für einen schnellen Güterwagenumlauf polizeilich interessierenden Vorkommnisse sofort untersuchen zu können. Zur Vermeidung von Verlusten, beispielsweise an Erntegütern, wurde veranlasst, dass Mängel an der Verladung durch die Reichsbahn und den Verladefirmen sofort beseitigt wurden. Durch Aufdeckung und Beseitigung störender Faktoren wurde der Verursachung von Fehlleitungen von Waggons und Warengruppen vorgebeugt, da besonders im Herbst- und Winterverkehr Wagenknappheit vorherrschte.

In dieser Zeit hatten die Kräfte der Schutzpolizei, der Zugbegleitkommandos und der Kriminalpolizei auch gegen Spionage-, Sabotage- und Diversionshandlungen vorzugehen.

Der ständig anwachsende Reiseverkehr in der DDR, besonders auf den Hauptstreckenführungen von und nach Berlin machte es erforderlich, die Arbeit der Zugbegleitkommandos zu überprüfen und präzisierte Maßnahmen zum feststellen von Diversanten u. a. Rechtsbrechern festzulegen.

Da der Charakter der Tätigkeit der Zugbegleitkommandos überwiegend durch Mittel und Methoden kriminalistischer Arbeit bestimmt wurde, erfolgte eine Herauslösung des Referates Zugbegleitdienst aus der Abteilung Operativ und die Eingliederung in die Abteilung Kriminalpolizei. Gleichzeitig wurden entsprechend den neuen Bedingungen im Reiseverkehr die Einsatzorte und die Kommandostärken verändert. Alle Angehörigen der Zugbegleitkommandos wurden in Unterkünften einquartiert. Damit konnte sowohl der Dienst als auch die Schulung besser/zweckmäßiger organisiert werden.  

Die Zugbegleitkommandos in den Stärken von 1:7 bzw. 1:5 VP-Angehörigen gewährleisteten in den besetzten Zügen den Schutz und die Sicherheit der Reisenden. Sie führten einen energischen Kampf gegen das Einschleusen von Provokateuren, Terroristen sowie gegen das reisende Verbrechertum und realisierten operative Fahndungsarbeit.

Zum Teil wurde die Arbeit der ZBK von den Reisenden als Schikane der VP gewertet. Es kam auch zu Beschwerden gegen die Tätigkeit der ZBK. Selbst Angehörige des Zug- und Mitropa-Personals nutzen die Gegebenheiten zur persönlichen Bereicherung aus und handelten der Tätigkeit der ZBK entgegen. So informierten z. B. Mitropa-Angehörige beim, Anpreisen von Speisen und Getränken mit dem Ausrufen ihrer Waren in der Reihenfolge „Zigaretten (Z) – Bier (B) – Keks (K) alle die Reisenden, die etwas zu verbergen hatten, über das sich im Zug befindliche ZBK. Mitunter wurde versucht, ZBK-Angehörige zu bestechen bzw. wurden diese namentlich durch den RIAS genannt.

Im Jahre 1953 bemaß die Leitung der Transportpolizei der Verbesserung der ZBK-Arbeit besondere Aufmerksamkeit zu. Die Erfolge, aber auch die Schwächen der Arbeit der Zugbegleitkommandos wurden auf der Leitungsebene und in den ZBK-Einheiten Gegenstand von Beratungen im Interesse einer höheren Wirksamkeit der Kontrolltätigkeit in Reisezügen. Besonderer Wert wurde auf die Stärkung der Autorität der Transportpolizei gelegt.

Ein Schwerpunkt der schutzpolizeilichen Tätigkeit lag im Jahr 1953 im verstärkten Einsatz auf den Personenbahnhöfen. Dies hing u. a. mit den innenpolitischen Ereignissen des Jahres 1953 zusammen, durch die die öffentliche Ordnung und Sicherheit auf diesen Bahnhöfen gefährdet waren. Der Einsatz der Schutzpolizei erfolgte ferner zur Absicherung der Strecken des Reise- und Güterverkehrs zwischen beiden deutschen Staaten sowie von und nach Westberlin. Entsprechende Verantwortung trug die Schutzpolizei auch bei der Sicherung des Streckennetzes und der Bahnhöfe zu besonderen Anlässen wie Staatszug- u. a. Sonderfahrten  anlässlich von Parteitagen, der Weltfestspiele und des Deutschlandtreffens der Jugend. Ebenso waren  Schutzpolizei, Kriminalpolizei und Zugbegleitkommando an der Gewährleistung von Ordnung und Sicherheit auf Reichsbahngebiet für die erfolgreiche Durchführung der Leipziger Frühjahrs- und Herbstmessen beteiligt.

Aufgrund der Situation am 17. Juni 1953 in der DDR wurde zum Zweck der Gesamtleitung im Raum Berlin eine zentrale Einsatzabteilung durch die HA Transportpolizei geschaffen, die den Einsatz der Angehörigen der VPÄ (T) im Raum Berlin lenkte. Mit den zur Verfügung stehenden Kräften wurden die Bahnanlagen in Ostberlin, die Gebäude des Ministeriums für Eisenbahnwesen sowie die der Reichsbahndirektion Berlin und die Bahnanlagen in den westlichen Sektoren von Berlin gesichert.

Den Demonstranten gelang es nicht, ernsthafte Störungen zu verursachen und Bahnhöfe oder Gebäude der Deutschen Reichsbahn zu besetzen. Eingedrungene Personen auf dem S-Bahnhof Potsdamer Platz und in den Anlagen des Ministeriums für Eisenbahnwesen, wurden durch den Einsatz von Kommandos der Transportpolizei zurückgedrängt.

Auf dem Magdeburger Hauptbahnhof drangen Personen gewaltsam in die Wache der Transportpolizei ein, die mit drei Transportpolizisten besetzt war und forderten die Herausgabe der Waffen. Von Seiten der Einsatzleitung des VPA (T) Magdeburg erging die Anweisung, den Verlust der Waffen unter allen Umständen zu verhindern. Durch taktisch richtiges Verhalten gelang es den Transportpolizisten, die Waffen in Sicherheit zu bringen.

Die Einsatzbereitschaft der Transportpolizisten war hoch und zeigte, dass sie in der Lage sind, Ordnung und Sicherheit auf Reichsbahngebiet aufrecht zu erhalten.