Die Transportpolizei der ehemaligen DDR.

Remo Kroll

Geschichte der Transportpolizei, Teil 6



An der Lösung der Aufgaben der Transportpolizei waren maßgebend auch Frauen beteiligt. Bereits ab Mai 1948 wurden Frauen auf der Grundlage der Richtlinie für die Einstellung von Frauen in den Bahnpolizeidienst eingestellt. Während die weiblichen VP-Angehörigen zunächst hauptsächlich im Posten- und Streifendienst oder als technische Kräfte zum Einsatz kamen, fanden sie später mit der Bildung der Zugbegleitkommandos ihren festen Platz in den ZBKs. Frauen entwickelten sich im zunehmenden Maße auch in leitende Funktionen auf verschiedenen Leitungsebenen, beispielsweise im Politorgan, in den Stäben und Kaderabteilungen.

 

Auf der Grundlage einer einheitlichen, für alle Dienstzweige der VP geltenden Befehlsgebung begann sich eine zielgerichtete, koordinierte und wirksame Zusammenarbeit bei der Lösung polizeilicher Aufgaben zu entwickeln. Dadurch wurde die Transportpolizei immer mehr dazu befähigt, ihre Arbeit auf dem Gebiet der Deutschen Reichsbahn erfolgreich zu realisieren.

Auf Bahngebiet bildete sich 1949 der organisierte Diebstahl von Schienenstoßverbindungen, Signalkabeln und anderen Buntmetallen immer mehr als Schwerpunkt heraus. Durch den Diebstahl von Buntmetallen und deren Verkauf in Westberlin, wurde der Deutschen Reichsbahn nicht nur erheblicher wirtschaftlicher Schaden zugefügt, sondern es wurde auch die Betriebssicherheit, besonders der S-Bahn, erheblich gefährdet. Der Kampf gegen die Kabeldiebstähle war besonders im Raum in und um Berlin zur Schwerpunktaufgabe der Transportpolizei geworden. Um den Problem Herr zu werden, wurde eine spezielle Einsatzgruppe gebildet, die im Verlauf ihrer Tätigkeit die Buntmetalldiebstähle zu beseitigen half. Ein großer Teil von Buntmetalldieben konnte auf frischer Tat gestellt werden oder ermittelt werden. In dieser Zeit bildete sich zur Abwehr von Verkehrssabotage in Berlin der Eisenbahner-Selbstschutz, die Eisenbahner erklärten sich  bereit, in Tag- und Nachteinsätzen Bahnhöfe, Gleisstrecken, Umschaltwerke und andere wichtige Objekte der Deutschen Reichsbahn zu bewachen. Eine durch die gesamte Volkspolizei durchgeführte Aktion wurde ein großer Erfolg. Hunderte Tonnen Buntmetall, die als illegale Lager gehalten wurden, sind erfasst worden, darunter erhebliche Mengen in stationären Betrieben der Deutschen Reichsbahn.

 

Im Jahre 1950 machte sich die Bildung einer spezifischen Fachrichtung im Dienstzweig Transportpolizei notwendig, die im Personenverkehr der Deutschen Reichsbahn die Kriminalität und die Feindtätigkeit zu bekämpfen hatte. Mit dem Befehl 2/50 des Chefs der Deutschen Volkspolizei vom 10.01.1950 wurden im Dienstzweig Transportpolizei Zugbegleitkommandos (ZBK) gebildet. Die ZBK hatten die Aufgabe, in Personenzügen der Reichsbahn feindliche Elemente aufzuspüren und festzunehmen sowie gegen Schieber und Spekulanten vorzugehen. Zunächst wurden ZBK in den VPÄ (T) mit größeren Reiseknotenbahnhöfen eingerichtet. Aus der anfänglich sporadischen Zugbegleitung entwickelte sich in der Folgezeit ein planmäßiger Einsatz, der sich bewährte.  

 

Entsprechend der Entwicklung der Industrie und Landwirtschaft hatte das Verkehrswesen die stark anwachsenden Transportaufgaben zu erfüllen. Von der Deutschen Reichsbahn musste die Güterbeförderung um 160 % gesteigert werden. Die Umlaufzeit der Güterwagen hatte sich von 3,75 auf 3,25 Tage zu verringern. Das Gleisnetz war um 750 km zu vergrößern und 2.300 km Gleis mussten durch Generalreparaturen erneuert werden. Bis 1955 waren die Selbstkosten um 15,5 % und der Brennstoffverbrauch um mindestens 16 % gegenüber 1950 zu senken. Um den ersten Fünfjahrplan zu erfüllen, hatte die Deutsche Reichsbahn den reibungslosen und zügigen Transport aller Materialien und Fertigprodukte sowie den Berufs- und Reiseverkehr  zu gewährleisten. Damit war sie wichtigstes Bindeglied zwischen der Industrie und Landwirtschaft sowie Mittler der DDR und dem sozialistischen Ausland.

Die mit dem Fünfjahrplan für das Eisenbahnwesen verbundenen Aufgaben führten bei der Deutschen Reichsbahn zur Einführung einer neuen Organisationsstruktur, welche nicht nur den eisenbahnfachlichen, sondern den neuen politischen und ökonomischen Verhältnissen Rechnung zu tragen hatte. Von der Generaldirektion DR, als Bestandteil des im Oktober 1949 gebildeten Ministeriums für Verkehr, wurden die Aufgaben einheitlich bis zu den Reichsbahnämtern gegliedert. Es wurden bis dahin vorhandene Überschneidungen beseitigt und der erste Schritt zur Abgrenzung der Verantwortlichkeit sowie der einheitlichen Durchsetzung der Befehlsgewalt von oben nach unten getan.

Unter Berücksichtigung der Aufgaben des Fünfjahrplanes für die Deutsche Reichsbahn musste die Transportpolizei im II. Quartal 1950 erstmalig und grundsätzlich im Interesse der besseren Durchführung der Aufgaben ihre Struktur ändern. In der Reorganisation der Transportpolizei musste daher von dem alt hergebrachten System der Bahnpolizei mit der Aufgliederung nach Inspektionen, Revieren und Wachen abgegangen werden. Der wirtschaftlichen Veränderung und der Einführung neuer Transportpläne waren die Bereiche der neu gebildeten Revierleitstellen und Kontrollposten anstelle der Inspektionsstruktur am besten angepasst. Der bis dahin vorhandene Verwaltungsapparat in den Inspektionen, der sich hemmend auf die Lösung der polizeilichen Aufgaben ausgewirkt hatte, wurde abgeschafft. Die Ämter Cottbus und Greifswald wurden aufgelöst, deren Bereiche und Kräfte den VPÄ (T) Schwerin, Berlin und Dresden zugeordnet. Mit dieser ersten bedeutungsvollen Strukturveränderung wurde auch der Kräftebedarf der Transportpolizei neu geplant. Die zweckmäßigeren Einsatzformen und ein rationeller Einsatz der operativen Kräfte ermöglichte es, dass Offiziere und Wachtmeister für die produktive Arbeit der Wirtschaft zur Verfügung gestellt werden konnten.

 

Auch die Transport-Kriminalpolizei hatte in dieser Zeit umfangreiche Aufgaben zu erfüllen. Es galt den Schutz der ökonomischen Grundlagen auf Reichsbahngebiet verstärkt gegen strafbare Handlungen zu gewährleisten. Die Kriminalität innerhalb des Transportwesens musste real erfasst und bekämpft werden. Mit Wirkung vom 01.10.1951 wurde der mit vielen Schwächen behaftete Ermittlungsdienst der Deutschen Reichsbahn aufgelöst und festgelegt, dass die Dienststellen der Deutschen Reichsbahn alle strafbaren Handlungen und Unregelmäßigkeiten im Güterverkehr an die Transportpolizei zu melden haben. Die Durchsetzung der Dienstanweisung 54/51 des Chefs der Deutschen Volkspolizei und einer inhaltlich gleich lautenden Verfügung des Generaldirektors der Deutschen Reichsbahn, welche die alleinige Zuständigkeit der Untersuchung von Straftaten und Unregelmäßigkeiten am Transportgut durch die Transportpolizei zum Inhalt hatte, führte im Ergebnis der darauf gerichteten vorbeugenden und strafverfolgenden Tätigkeit zur wesentlichen Zurückdrängung der Transportgutdiebstähle.