Die Transportpolizei der ehemaligen DDR.

Remo Kroll

Geschichte der Transportpolizei, Teil 5



Im Jahre 1948 rückte das Bergbaugebiet im Erzgebirge um Aue, Johanngeorgenstadt und Schneeberg in den Mittelpunkt der polizeilichen Tätigkeit des Eisenbahnpolizeiamtes Dresden. Dieses Gebiet wurde in kürzester Zeit durch den Bergbaubetrieb der SAG Wismut industrialisiert. Durch den Einsatz von mehr als 10.000 Arbeitskräften stiegen die Einwohnerzahlen beträchtlich. In neu erschlossenen Bergbauzentren waren Anfangs die Arbeits- und Lebensbedingungen noch schlecht und ungeordnet. Die Verbesserung der sozialen Struktur und der Lebensbedingungen setzte eine Vielzahl politischer, sozialer und verkehrstechnischer Probleme auf die Tagesordnung, die von den örtlichen Organen und Institutionen gelöst werden mussten.

Durch das Verhalten größerer Gruppen von Bergbauarbeitern wurde die Betriebssicherheit der Deutschen Reichsbahn permanent gefährdet. Das Fahren auf Trittbrettern, Puffern und Dächern der Wagen, auf Loks und Tendern gehörte zum alltäglichen Bild. Zum Halten der Schichtzüge auf freier Strecke wurden häufig Notbremsen gezogen oder Lufthähne geöffnet. Bahnsteigsperren wurden umgangen, Zäune überstiegen und Gleisanlagen überschritten. An der Tagesordnung waren das Werfen entwendeter Sprengkapseln aus fahrenden Zügen sowie das Bewerfen von Passanten, Eisenbahnern und Polizisten mit Schottersteinen u. a. Gegenständen. Bergarbeitern wurde in Zügen und Bahnhofsgaststätten oft Geld, Lebensmittelkarten u. a. Gegenstände  entwendet.

Für das Herstellen geordneter Verhältnisse im Wismut-Bereich war es notwendig, ein komplexes und koordiniertes Zusammenwirken der kommunalen, örtlichen und betrieblichen Organe mit den gesellschaftlichen Organisationen herzustellen, die in den folgenden Jahren erfolgreich präzisiert werden konnte. Zur Verbesserung der Ordnung und Sicherheit, gegen Rechtsverletzungen, hatte jeder Bahnpolizist wirksam auf das Verhalten der Bergarbeiter einzuwirken und dazu beizutragen, dass in enger Zusammenarbeit mit den Eisenbahnern die Verkehrsverhältnisse verbessert wurden.

Zur polizeilichen Beherrschung und Änderung der Verhältnisse wurden seitens der Bahnpolizei in Schwarzenberg eine neue Inspektion und ein Sonderkommando mit dem Namen „Ernst Schneller“ geschaffen.

Die entscheidende Wende zur Normalisierung der Lage auf dem Bahngebiet im Bereich der Wismut wurde ab 1949/50 erreicht. Viele Bahnpolizisten erklärten sich bereit, für eine bestimmte Zeit im Bergbaugebiet Dienst zu leisten.       

 

Bis 1948 gab es innerhalb der Polizeiführung Meinungsverschiedenheiten, ob die Bahnpolizei ein Dienstzweig der Volkspolizei werden könnte. Es wurden zwar in der Bahnpolizei die Organisationsformen der Landespolizei übernommen, aber der der Bahnpolizei anhaftende Status einer „Sonderpolizei“ war noch nicht überwunden. Eine Angleichung konnte auch deshalb nicht erreicht werden, weil die Territorien der fünf Landespolizeibehörden in der SBZ nicht mit den Grenzen der acht Reichsbahndirektionen übereinstimmten.

Auf der 6. Sitzung der polizeilichen Beratung am 30.11.1948 setzte sich die Ansicht durch, dass die Bahnpolizei ein Dienstzweig der Transportpolizei werden muss. In dieser Beratung wurde auch festgelegt, die Bahnkriminalpolizei der Hauptabteilung Kriminalpolizei (HA K) der DVdI sachlich zu unterstellen. Vom Präsidenten der DVdI, Dr. Kurt Fischer, wurde am 16.02.1949 die vorläufige Verordnung der DVdI für die Eisenbahnpolizei der SBZ herausgegeben. In dieser, den Charakter einer Dienstvorschrift tragenden Verordnung, wurden die Hauptaufgaben und der organisatorische Aufbau der Bahnpolizei festgelegt. Die Eisenbahnpolizei ist zum Dienstzweig der Volkspolizei erklärt worden. Die allseitig vorgesetzte Behörde war die DVdI.

Im Zeitraum der Eingliederung der Eisenbahnpolizei in die Deutsche Volkspolizei gab es Anfang 1949 Veranlassung, den inneren Zustand zu überprüfen. Es wurde erkannt, dass die personelle Zusammensetzung völlig unzureichend war und sich Maßnahmen notwendig machten, die Anzahl der zuverlässigen und politisch-moralisch gefestigten Kader wesentlich zu erhöhen und ungeeignete Kräfte aus den Reihen der Bahnpolizei zu entfernen. Nach gründlicher Überprüfung erfolgten im II. und III. Quartal 1949 wegen politischer Unzuverlässigkeit, der Begehung von Straftaten u. a. polizeischädigendem  Verhalten einige Hundert Entlassungen.

Im Jahre 1948 war innerhalb der Volkspolizei das Polit-Kulturorgan (PK) gebildet worden. Auch im Dienstzweig Bahnpolizei wurde das PK-Organ aufgebaut. In den Ämtern und Inspektionen wurden PK-Offiziere eingesetzt.

 

Die politische und ökonomische Entwicklung auf der Grundlage des Zweijahrplanes stellte für die gesamte Volkspolizei neue und größere Aufgaben. Das traf insbesondere die Koordinierung der Leitungstätigkeit aller Dienstzweige der VP zu. Aus diesem Grund war eine strukturelle Veränderung der Sicherheitsorgane erforderlich, die für die Verkehrswege und Anlagen auf dem Gebiet der DDR verantwortlich waren.  

Im Befehl 220/49 des Chefs der Deutschen Volkspolizei vom 14.12.1949 wurde deshalb angeordnet, dass die Eisenbahn- und Wasserschutzpolizei unter der Bezeichnung Transportpolizei zusammengefasst wird.

Die für die zentrale Lenkung und Führung der polizeilichen Arbeit auf den Schienen- und Wasserwegen gebildete Hauptabteilung Transportpolizei (HA T) wurde in die neu geschaffene Hauptverwaltung deutsche Volkspolizei (HVDVP) eingegliedert.

Die bestehenden acht Bahnpolizeiämter in Berlin, Cottbus, Dresden, Erfurt, Greifswald, Halle, Magdeburg und Schwerin wurden in „Volkspolizei-Ämter-Transport“ umbenannt.

Die Bildung der HA Transportpolizei und die Durchsetzung der Maßnahmen des Befehls 200/49 des Chefs der Deutschen Volkspolizei waren von großer Bedeutung für die Verbrechensbekämpfung und die Erfüllung der Aufgaben im Bereich des Eisenbahnverkehrswesens sowie für die Verbesserung des sich immer notwendiger machenden engen Zusammenwirkens der einzelnen Dienstzweige der VP.


Zur Erhöhung der Einsatzbereitschaft der Transportpolizisten durch körperliche Ertüchtigung trug maßgeblich der Befehl Nr. 119/50 des Chefs der Deutschen Volkspolizei vom 26.06.1950 bei. Dieser Befehl sah neben der obligatorischen Durchführung des Dienstsportes die breite Entwicklung des Freizeitsportes der Angehörigen der Transportpolizei vor. Mit dem Beschluss der Bildung der Sportvereinigung Deutsche Volkspolizei (SVDVP), die 1953 in die Sportvereinigung Dynamo umgebildet wurde, trug der Deutsche Sportausschuss diesem Anliegen Rechnung. In den folgenden Jahren entwickelte sich ein reges sportliches Leben in allen Dienststellen der Transportpolizei, dass jährlich in den Sportfesten und Meisterschaften seine Höhepunkte hatten. Neben leichtathletischen Disziplinen standen vor allem die Entwicklung der Kampfsportarten wie Judo, Boxen, Ringen und die Forderung, dass jeder Transportpolizist das Schwimmen beherrschen muss, im Vordergrund.