Die Transportpolizei der ehemaligen DDR.

Remo Kroll

Geschichte der Transportpolizei, Teil 3



Die sowjetischen Dienststellen in den einzelnen Verwaltungsbereichen unterstützten die Maßnahmen der Bahnpolizei im Kampf gegen Diebstähle und Plünderungen sowie zur Gewährleistung von Ruhe und Ordnung auf Reichsbahngebiet. Zur Durchführung von Aktionen wurden von sowjetischen Kommandanten Sonderanweisungen erteilt. Bezugnehmend auf eine Weisung der sowjetischen Kommandantur Cottbus ordnete der Leiter des Bahnschutzamtes der RbD Cottbus an:

 

1. Sämtliche Personen- und wichtige Materialzüge sind ab 03. Februar 1946 zunächst für zwei Wochen ununterbrochen durch bewaffnete Bahnpolizei-Sonderstreifen in ausreichender Zahl zu begleiten.

 

2. Die Bahnanlagen, insbesondere die Güterbahnhöfe sind ebenfalls für die gleiche Zeit im Dauereinsatz zu bewachen.

 

Aus der Erkenntnis der und der Notwendigkeit, die neu geschaffenen Polizeiorgane zu festigen, ihnen eine hohe Schlagkraft zu verleihen und aufbauend den Erfahrungen der sowjetischen Miliz wurde am 30. Juli 1946 durch die SMAD mit dem Befehl 0212 angeordnet, mit dem Aufbau einer Deutschen Verwaltung des Innern (DVdI) zu beginnen.

Im August 1946 wurde die  DVdI gebildet.

Die politische Lage und die Situation sowie die auf dem Gebiet der Eisenbahn zu lösenden Schutz- und Ordnungsaufgaben erforderten die schnelle Weiterentwicklung der Bahnpolizei zu einem festen, schlagkräftigen Instrument und die Herstellung einer straffen, einheitlichen Führung aller Polizeikräfte. Dem widersprach der Zustand, dass die Bahnpolizei als einzige Polizeiformation, alten/überholten Traditionen folgend, einem Wirtschaftsorgan unterstand.

Aus diesem Grund wurde am 15. Oktober 1946 das Zentralpolizeiamt der deutschen Zentralverwaltung des Verkehrs als selbstständige Abteilung „Eisenbahn- und Wasserpolizei“ in die Deutsche Verwaltung des Innern eingegliedert. Zum Leiter dieser Abteilung wurde Ferdinand Loll berufen.

Mit der Veränderung des Unterstellungsverhältnisses der Bahnpolizei unter die Leitung der DVdI wurden ihr die gleichen Rechte und Befugnisse übertragen wie den anderen Polizeiorganen. Damit änderte sich grundsätzlich der Charakter der Bahnpolizei.  

In einem Schreiben der DVdI, Abteilung Eisenbahn- und Wasserpolizei vom 21. Januar 1947 heiß es dazu:

„Die Eingliederung der Bahnpolizei in die DVdI bedingt ihre Anpassung an die Organisation der ordentlichen Polizei, da sie neben den Aufgaben des bisherigen Bahnschutzes zugleich auch die Aufgaben der ordentlichen Polizei auf dem Bahngelände übernommen hat. Sie wird damit ordentliche Bahnpolizei.“

In den acht Reichsbahndirektionen der SBZ wurden Bahnpolizeiämter mit dem Sitz am Ort der jeweiligen RbD gebildet, die mit den vier Unterabteilungen Bahnschutzpolizei, Bahnkriminalpolizei, Personalangelegenheiten und Wirtschaftsangelegenheiten, die Administration darstellten. Den Bahnpolizeiämtern waren entsprechend der Struktur der Reichsbahnämter und deren Bedeutung Inspektionen, Reviere und Wachen nachgeordnet. Der Einsatz der Bahnschutzpolizisten erfolgte in Form von:

 

-         Zugbegleitdienst im Personen- und Güterverkehr;

 

-         Streifendienst auf den Personen- und Güterbahnhöfen;

 

-     Postendienst zur Sicherung wichtiger Objekte und stationärer Anlagen der Deutschen Reichsbahn sowie Einsatz von Streckenstreifen auf       strategisch wichtigen Strecken..

 

Mit dieser erweiterten Aufgabenstellung wurde dem Rechnung getragen, dass sich die Eisenbahn bereits wieder zum hauptsächlichsten Verkehrsträger entwickelt hatte und der Güter sowie der Reise- und Berufsverkehr bedeutend angestiegen war.

In enger Zusammenarbeit mit den Angehörigen der Eisenbahnkriminalpolizei führten die Schutzpolizisten einen energischen Kampf gegen alle Erscheinungen der Kriminalität auf dem Gebiet der Eisenbahn.

Das neue Unterstellungsverhältnis, die höheren Aufgaben und die weitere Entwicklung der Bahnpolizei erforderten die Stabilisierung des Kaderbestandes und die systematische Qualifizierung der Angehörigen der Bahnpolizei. Große Aufmerksamkeit wurde in den Dienststellen der Bahnpolizei den Problemen der Kaderarbeit geschenkt. In der Kaderpolitik kam es besonders darauf an, die Zuverlässigkeit des Personalbestandes zu überprüfen und zu erhöhen, die besten und effektivsten Bahnpolizisten zu fördern und weiter zu entwickeln sowie deren Einsatz in leitenden Funktionen vorzubereiten.

Zur weiteren Qualifizierung des Kaderbestandes wurden an den Eisenbahnschulen Lützow, Erfurt und Ilsenburg mehrwöchige Lehrgänge für Bahnpolizisten durchgeführt. Mit Wirkung vom 01.01.1947 wurde die Eisenbahnschule Lützow bei Schwerin die zentrale Ausbildungsstätte der Bahnpolizei. In einem Tätigkeitsbericht vom November 1947 zu Fragen der Qualifizierung der Bahnpolizei-Angehörigen wurde festgestellt:

„Im Monat November begann auf der Eisenbahnschule Lützow ein 6wöchiger Lehrgang für 69 Bahnpolizisten. Innerhalb der Ämter wurden die polizei- und eisenbahnseitige Ausbildung systematisch durch die Leiter der Dienststellen und durch Wanderlehrer durchgeführt. Auf der Eisenbahnschule Erfurt wurden 20 Bahnpolizisten in einem 4wöchigen Lehrgang geschult. Vom Bahnpolizei-Amt Magdeburg wurde auf der Eisenbahnschule Ilsenburg ein 1wöchiger Lehrgang durchgeführt, der von 20 Bahnpolizisten besucht wurde.“

Die einheitliche Führung der Bahnpolizei in der SBZ, die Herausbildung und Festigung des Kaderbestandes sowie dessen beginnende systematische Qualifizierung wirkten sich in den Ergebnissen der operativ-polizeilichen Tätigkeit aus.

Das Bestreben der Polizeiführung bestand darin, eine eingehende Kontrolle des Eisenbahnverkehrs und der anderen Verkehrsmittel durch eine breite Einbeziehung der Bevölkerung, einer engeren Koordinierung der Maßnahmen und einem besseren Zusammenwirken bei der Führung des gezielten, überraschenden und wirksamen Kampfes gegen das Banden- und Schieberunwesen zu erreichen.