Die Transportpolizei der ehemaligen DDR.

Remo Kroll

Geschichte der Transportpolizei, Teil 2



Der monatliche Verdienst der Bahnschutzangehörigen betrug 110 bis 190 Mark. Eine geregelte Dienstzeit gab es nicht, aufgrund der Lage und der Aufgaben mussten die Kräfte oft 60 und mehr Stunden in der Woche Dienst verrichten.

Die Bahnschutzangehörigen waren zu dieser Zeit noch nicht bewaffnet. Angriffe auf das Eigentum der Reichsbahn und das zu befördernde Gut konnten deshalb nur mit der Autorität der Bahnschutzangehörigen, ihr Auftreten und durch körperliche Gewalt abgewehrt werden.

 

Mit dem Befehl Nr. 8 der sowjetischen Militäradministration (SMAD) vom 11.08.1945 wurde der Eisenbahnbetrieb in der sowjetischen Besatzungszone den deutschen Eisenbahnern übergeben. Im unmittelbaren Zusammenhang mit dieser Maßnahme erließ die SMAD den Befehl einen bewaffneten Bahnschutz mit der Bezeichnung Bahnpolizei aufzubauen. Dieser Befehl war die Geburtsstunde der sich später herausbildenden Transportpolizei. Das Schutzorgan der Eisenbahn bekam immer mehr polizeilichen Charakter.

Der organisatorische Aufbau und die Gliederung der neuen Bahnpolizei wurden der örtlichen Polizei angeglichen. Auf den Ebenen der Reichsbahndirektionen (RbD) wurden Bahnpolizei-Ämter, den der Reichsbahnämter Bahnpolizei-Inspektionen und auf den größten und wichtigsten Personen- und Güterbahnhöfen Bahnpolizei-Reviere, Revierzweigstellen und Wachen gebildet.

Gleichzeitig mit der Bildung der Bahnpolizei wurde der Reichsbahnfahndungsdienst umorganisiert und in die Bahnpolizei eingegliedert. Damit begann die eigenverantwortliche kriminalpolizeiliche Tätigkeit der Bahnpolizei. Aus diesen Anfängen entwickelte sich in der Folgezeit die Eisenbahnkriminalpolizei.  

Als leitendes Organ für die Bahnpolizei wurde ein Bahnschutzhauptamt in der Zentralverwaltung für Verkehr gebildet. Dieses Führungsorgan hatte zunächst die Aufgabe, die Bahnpolizei nach einheitlichen Grundsätzen aufzubauen und seine Tätigkeit zu organisieren.

Mit dem Aufbau der Bahnpolizei wurden die grundsätzlichen Aufgaben neu festgelegt. In dieser Periode des beginnenden Neuaufbaus des Eisenbahnwesens hatte die Bahnpolizei vor allem folgende aufgaben zu erfüllen:

 

-         Herstellung und Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung auf dem Gebiet der Eisenbahn;

 

-         zuverlässiger Schutz des Eigentums der Reichsbahn und das ihr anvertraute Gut vor Diebstahl und Zerstörung;

 

-         Sicherung lebenswichtiger Gütertransporte vor Überfällen;

 

-         Bewachung strategisch wichtiger Objekte und Anlagen der Deutschen Reichsbahn;

 

-         wirkungsvolle Bekämpfung von Schiebern und Spekulanten.   

 

Entsprechend der festgelegten Aufgaben erfolgte der Einsatz von Angehörigen der Bahnpolizei in Verbindung mit der Lage und Situation auf Eisenbahngebiet in den einzelnen Bereichen schwerpunktmäßig. Der überwiegende Teil der Kräfte wurde dabei in den Jahren 1945/1946 zur Bewachung der Güterbahnhöfe eingesetzt. Im Jahresbericht des Zentralamtes Eisenbahn-/Wasserpolizei für das Jahr 1946 wird statistisch folgender Einsatz der Kräfte der Bahnpolizei nachgewiesen:

 

-         45-50 % zur Bewachung der Bahnhöfe;

 

-         16-19 % zur Bewachung von Brücken;

 

-         15-18 % zur Begleitung von Güterzügen und

 

-         16 % zur Begleitung von Personenzügen.

 

Oftmals musste die Bahnpolizei zur Bekämpfung der sich häufenden Lebensmittel- und Kohlendiebstähle eng mit der örtlichen Polizei zusammenwirken, da diese Aufgabe nicht allein bewältigt werden konnte. Es wurde vielfach gemeinsame Aktionen durchgeführt. Die örtliche Polizei übernahm die Kontrolle und Beobachtung der Umgebung der Bahnhöfe und sperrte die Zufahrtswege.

In Rundschreiben der Provinzialregierung Mark Brandenburg und der Reichsbahndirektion Cottbus vom Januar 1946 an die jeweils nachgeordneten Dienststellen wurde die Lage auf Eisenbahngebiet eingeschätzt und Maßnahmen festgelegt. Darin heißt es:

„Die Beraubungen der Lebensmittelsendungen haben ihren erschreckenden Charakter beibehalten. Die Polizei wird gebeten, in Zusammenarbeit mit den Reichsbahndienststellen, insbesondere aber mit der Bahnpolizei, Anordnungen zu treffen, damit die Diebstähle und Beraubungen von Güterwagen wirksam bekämpft werden können. Die Ordnungspolizei muss dabei in der Hauptsache die Überprüfung und Beobachtung der Umgebung der Güterbahnhöfe übernehmen.“

Eine weiter Aufgabe der Bahnpolizei bestand darin, Reise- und Güterzüge zu begleiten. Diese Aufgabe machte sich im Kampf gegen den Schwarzhandel sowie gegen das Schieber- und Hamsterunwesen und zur Bekämpfung der Diebstähle an lebenswichtigen Transportgütern erforderlich.

In einem Schreiben des Präsidenten der Zentralverwaltung Verkehr vom 05.07.1946 an die Bahnpolizei wurde dazu angewiesen, „dass die Bahnpolizei die Pflicht hat, darauf zu achten, dass die Eisenbahn nicht von Fahrgästen zu Zwecken missbraucht wird, die dem öffentlichen Wohl der gesamten Bevölkerung zuwiderlaufen. Dazu gehört auch der Handel mit bewirtschafteten Lebensmitteln und Gebrauchswaren sowie ihr Transport auf Bahngelände und in den Zügen.“

Hierbei wurde das Zusammenwirken mit örtlichen Polizeikräften organisiert, die Leitung derartiger Aktionen lag jedoch in den Händen der Bahnpolizei.

Zur Bekämpfung von Wagenplünderungen auf den Schienen- und Wasserwegen erließ die SMAD am 23.09.1946 den Befehl Nr. 286. Dieser Befehl besagte u. a.:

„Die Bewachung der zu befördernden Güter, insbesondere der Lebensmittel, ist zu verstärken. Es sind Maßnahmen zu ergreifen, dass nachts alle Wege in der Nähe der Bahnhöfe beleuchtet werden. Die Kontrolle für die Unversehrtheit der beförderten Güter und für das genaue Einhalten der bestehenden Regeln der Annahme und Auslieferung der Güter an die Empfänger ist zu verstärken.“

Die sowjetischen Dienststellen in den einzelnen Verwaltungsbereichen unterstützten die Maßnahmen der Bahnpolizei im Kampf gegen Diebstähle und Plünderungen sowie zur Gewährleistung von Ruhe und Ordnung auf Reichsbahngebiet. Zur Durchführung von Aktionen wurden von sowjetischen Kommandanten Sonderanweisungen erteilt. Bezugnehmend auf eine Weisung der sowjetischen Kommandantur Cottbus ordnete der Leiter des Bahnschutzamtes der RbD Cottbus an: